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Oldenburger Wochenmarkt Familie Weinert verlässt nach 75 Jahren den Pferdemarkt

Lieben ihre Arbeit bei den Weinerts (v. links): Julena Habben, Tabea Bleßmann, Meike Fieger und (rechts) Lisa Rosenhäger mit Frank und Edda Weinert am Donnerstag auf dem Pferdemarkt.

Lieben ihre Arbeit bei den Weinerts (v. links): Julena Habben, Tabea Bleßmann, Meike Fieger und (rechts) Lisa Rosenhäger mit Frank und Edda Weinert am Donnerstag auf dem Pferdemarkt.

Karsten Röhr

Oldenburg - Es regnet in Strömen an diesem Donnerstagmorgen. Aber bei Frank und Edda Weinert stehen die Kunden schon an: für Radieschen und Radicchio und Clementinen und Mandarinen. „Wir haben 90 bis 95 Prozent Stammkunden“, sagt Frank Weinert. Und die lassen sich auch von Starkregen nicht von ihren Plänen abhalten.

Außerdem ist es der vorletzte „Auftritt“ der Weinerts auf dem Oldenburger Pferdemarkt. Seit 75 Jahren, dem Beginn des Wochenmarktes, steht die Familie hier. Nach der dritten Generation ist Schluss: Frank und Edda Weinert hören mit 60 Jahren auf, an diesem Samstag um 2.45 Uhr in der Nacht bauen sie zum letzten Mal ihren Stand schräg gegenüber vom Käsewagen von Matthias Fader auf.

<p>                So ging es los: Martin Weinert (Opa von Rudolf Weinert) mit seinem ersten Stand. Bild: Weinert             </p>

So ging es los: Martin Weinert (Opa von Rudolf Weinert) mit seinem ersten Stand. Bild: Weinert

Atmosphäre

Frank Weinert sagt: „Wir haben keinen Nachfolger gefunden. Wir hätten das gerne jemandem übergeben und dann noch mitgeholfen.“ Die Schwierigkeit Personal zu finden, kam hinzu, „gerade morgens“, sagt der Händler, „da finden sich immer weniger“.

Wer sich aber morgens ins Marktgeschehen stürzt, kann es lieben lernen, gerade bei den Weinerts, sagt Julena Habben, die in Göttingen studiert: „Vor fünf Jahren bin ich hier mit den Kirschen angefangen. Mein Gefühl ist: Hier kauft man bei Familie Weinert ein, nicht am Stand Weinert, das ist die Atmosphäre hier.“ Stammkundin Helga Becker-Janßen sagt: „Ich gehe zu Weinerts, weil ich so zuvorkommend bedient werde und immer super Ware bekomme, mir gefällt auch, dass so viele junge Leute hier sind.“

Kunden sagen Danke

Kein Wunder, dass viele Kunden in diesen Tagen „mit Blumen, Sekt und Wein und so netten Briefchen“ zum Gemüseeinkauf kommen, sagt Edda Weinert. „Den wirklich netten Kontakt mit den vielen, vielen lieben Kunden werde ich sehr vermissen, das weiß ich schon“, sagt ihr Mann. „Wir alle hier schätzen das Miteinander und das Miteinander-Reden, diese gewisse Vertrautheit. Der Abschied ist emotional, und so einfach ist das für uns deshalb auch gar nicht. Aber die Kunden sind nett, sie sagen: Super-, superschade, aber wir gönnen Ihnen das.“

<p>                Die nächste Stufe: Weinerts bekommen den ersten Kiosk auf Rollen. Bild: Weinert             </p>

Die nächste Stufe: Weinerts bekommen den ersten Kiosk auf Rollen. Bild: Weinert

Letzter markttag

Kein Wunder deshalb auch, dass an diesem Samstag die Hütte noch einmal richtig voll wird: „Da kommen alle, die gerne bei uns gearbeitet haben, alle sagen: Nee, das lassen wir uns nicht nehmen“, freut sich Frank Weinert, der selbst mit zwölf Jahren das erste Mal auf dem Markt Pimpinelle, Kresse und Paprika verkauft hat.

Den Stand hat er vor 30 Jahren übernommen, als sein Vater Rudolf Weinert (86) mit 55 Jahren aufhörte. Natürlich kommen Rudolf und Ilse Weinert bis heute für ihren Obst- und Gemüseeinkauf an ihren vertrauten alten Stand auf den Pferdemarkt zurück. Aber jetzt verabschieden sich Frank und Edda Weinert als Wochenmarktbeschicker – allerdings auch mit einiger Vorfreude und konkreten Plänen.

In den Süden

Mit ihrer 41 Jahre alten Honda CX 500 – Edda Weinert auf dem Sozius – und ihrem uralten Ducato Wohnmobil, die ihr Mann als gelernter Informationselektroniker, Metaller und begnadeter Bastler immer wieder in Schuss bringt, werden sie Europas Süden unsicher machen. Frank Weinert sagt: „Wir müssen unbedingt ins Warme, vielleicht, weil wir immer draußen waren.“

Ihren Standaufbau um 2.45 Uhr in der Dunkelheit an regnerischen Wintermorgen werden die beiden in Südfrankreich eher nicht vermissen. Aber ihre lieben Kunden, die werden den beiden fehlen.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg
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