Eversten - Wie kann man sich besser in den Ruhestand verabschieden als mit einem bundesweiten Preis? Über diesen besonderen Abschluss ihrer Berufstätigkeit freut sich die Oldenburger Pastorin Andrea Schneider. Sie ist mit dem Menno-Simons-Predigtpreis 2020 ausgezeichnet worden, einem von nur zwei evangelischen Predigpreisen in Deutschland.
Mit dem Preis sollen Predigten angeregt und gewürdigt werden, die das „biblische Zeugnis im Licht der täuferisch-mennonitischen Tradition“ zur Sprache bringen, heißt es in einer Pressemitteilung. „Er ist aber stark ökumenisch akzentuiert“, sagt Schneider selbst. Ausgezeichnet werden demnach Beiträge, die über die eigene Konfession hinweg christliches Engagement für Frieden und Gerechtigkeit thematisieren und fördern.
Predigt zum Tag der Schöpfung
Die prämierte Predigt über das Jesuswort „Ihr seid das Salz der Erde“ (Mt 5,13) hat Schneider am 6. September 2019 bei der zentralen Feier zum ökumenischen „Tag der Schöpfung“ (organisiert durch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland) auf der Bundesgartenschau in Heilbronn gehalten.
Verliehen wurde der Preis in Hamburg im Rahmen eines Gottesdienstes der dortigen Mennoniten-Gemeinde. Der Gottesdienst und die Predigt, die Schneider dort noch einmal hielt, sind übers Internet abrufbar.
„Für mich persönlich ist diese Auszeichnung eine tolle Bestätigung am Ende meiner Berufstätigkeit als Rundfunkpastorin, wo mir verständliches, menschennahes Reden über Gott und die Welt immer wichtig war“, sagt Schneider. „Und es ist eine Ermutigung – ich bin seit 20 Jahren MS-krank und leider sehr auf den Rollstuhl angewiesen – was alles auch trotz körperlicher Einschränkung möglich ist.“
Auszüge aus der preisgekrönten Predigt
Losungswort der Herrnhuter Brüdergemeine für heute aus Psalm 133 passt da wunderbar: „Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder – und natürlich auch Schwestern! – einträchtig beieinander wohnen! Denn dort verheißt der Herr Segen und Leben bis in Ewigkeit!“
Darum geht es heute: In aller Unterschiedlichkeit einträchtig, geschwisterlich zusammen sein. Gemeinsam fröhlich den Schöpfer preisen. Und ernsthaft fragen: Was können wir dafür tun, dass Gottes schöne Schöpfung auch in Zukunft ein Lebensraum für alle bleibt? Das ist keine Auch-mal-so-nebenbei-Frage. Sondern unausweichlich wichtig. Bedrohlich brennend. Buchstäblich brennend in diesem Hitzesommer wieder in vielen Gegenden Deutschlands und der Welt. In Sibirien, im Amazonasgebiet.
Niemand kann mehr behaupten, ahnungslos zu sein, wie sehr wir Menschen die Natur ausbeuten und kaputt machen. Gierig und achtlos. Letztlich selbstzerstörerisch. Wir alle müssten zutiefst erschrecken. Eigentlich. Über uns selbst. Und daraus endlich Konsequenzen ziehen. Denn die Zeit drängt. (...)
Ihr seid das Salz der Erde. Mit diesem Bildwort beschrieb Jesus von Nazareth in seiner berühmten Berg-Rede seinen Freunden und Freundinnen damals, wozu sie da sind in der Welt. Und das gilt allen Christinnen und Christen durch die Zeiten, auch uns heute hier: Ihr seid das Salz der Erde.
Typisch Jesus: kurz, knapp, klar: Ihr seid! Nicht fordernd: Ihr sollt sein. Nein, ganz selbstverständlich: Ihr seid! Salz der Erde. Das Element Salz – einerseits auch selbstverständlich: Wer denkt schon über Salz nach im normalen Alltag? Erst wenn’s fehlt, fällt’s auf. (...)
Salz sein – zum Beispiel so: Langeweile-Leben würzen. Menschen, die ihr Leben – vielleicht trotz Stress und Anspannung – als fade und leb-los empfinden, auf den Geschmack eines sinnvollen, segensreichen Lebens bringen. (...) Oder Salz sein – so: Hass-Eis zum Schmelzen bringen. Eingefroren-starre Beziehungen auftauen. Hässliche Hass-Postings beenden. Gefühlskaltes Mobbing gegen anders Denkende, anders Aussehende, anders Lebende stoppen und das Eis der Wort-Gewalt zum Schmelzen bringen. (...)
