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Mit dem Fahrrad auf der Straße „Critical Mass“ Oldenburg rückt seit zehn Jahren den Radverkehr in den Mittelpunkt

Mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn unterwegs: Die Fahrrad-Bewegung „Critical Mass“ Oldenburg feierte ihren zehnten Geburtstag.

Mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn unterwegs: Die Fahrrad-Bewegung „Critical Mass“ Oldenburg feierte ihren zehnten Geburtstag.

Tobias Frick

Oldenburg - Auf dem Oldenburger Bahnhofsvorplatz tummeln sich mehrere hundert Menschen auf ihren Lastenrädern, Rennrädern, Hochrädern oder ganz normalen Fahrrädern. Über eine Lautsprecheranlage schallt eine Begrüßung der Teilnehmer über den Platz. Plötzlich geht es los: Über 350 Fahrradfahrer und -fahrerinnen formieren sich zu einer mehreren hundert Meter langen Zweiradkolonne und unter klingelndem Applaus und dröhnenden Bässen setzt sich die Gruppe in Bewegung. So startete am vergangenen Freitag die Fahrrad-Bewegung „Critical Mass“ in Oldenburg, um ihren zehnten Geburtstag zu feiern.

Präsenz zeigen

Wie jeden letzten Freitag im Monat fuhren die Fahrrad-Enthusiasten gemeinsam durch das Oldenburger Stadtgebiet – und das bewusst auf der Fahrbahn. Es gehe dabei aber nicht darum, den Stadtverkehr zu blockieren: „Wir sind der Verkehr!“, sagt der Oldenburger Kunstbauer und Zweiradexperte Michael Olsen. Wie er sagt, soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass der Stadtverkehr nicht nur aus motorisierten Teilnehmern bestehe: „Der Fahrradverkehr ist schließlich keine Randerscheinung, Oldenburg hätte großes Potenzial als Fahrradstadt“, sagt Olsen.

„Dafür fehlt aber eine geeignete Infrastruktur“, sagt Roman Eichler, Produktmanager in einem Fahrradgeschäft und ehemaliges Mitglied im Verkehrsausschuss. Er kritisiert an der Oldenburger Fahrradpolitik, dass „offenbar nicht an Radfahrende gedacht wird“, und bezieht sich damit zum Beispiel auf die für Fahrradfahrer sehr hoch angesetzten Bodenschwellen im Pophankenweg. „Viele fahren nicht mit dem Rad, weil sie sich unsicher fühlen, irgendwo zwischen Autoverkehr und Fußgängern“, sagt der 41-Jährige.

Nicht nur politisch

Die „Critical Mass“ sei aber an sich keine politische Bewegung, sondern ein Zusammenschluss ohne zentrale Organisation. Ihren Ursprung hat sie in San Francisco. Dort fand 1992 die erste Fahrt statt, mittlerweile ist daraus eine weltweite Bewegung geworden.

„Jeder hat seine eigenen Intentionen“, sagt Eichler. Für die einen geht es um die Sichtbarkeit als Verkehrsteilnehmer, andere genießen einfach die besondere Stimmung mit lauter Musik, thematisch geschmückten Rädern und das Fahren in einer großen Gemeinschaft. Für die angehende Zweiradmechatronikerin Rieke Greten ist es zudem „ein toller Treffpunkt, um sich mit Kollegen auszutauschen“ und der gemeinsamen Leidenschaft Fahrrad nachzugehen.

StVO beachten

In Oldenburg sei es vereinzelt auch zu negativen Zwischenfällen während der Fahrten gekommen: „Einmal ist jemand aus dem Auto ausgestiegen und wäre fast handgreiflich geworden, manche fühlen sich provoziert von uns“, sagt Olsen. Laut Paragraf 27 der StVO ist es Gruppen ab 16 Radfahrern aber erlaubt, zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn zu fahren, weil sie dann als Verband gelten. „Was wir machen, ist nicht verkehrswidrig, ich finde es selbst ätzend, wenn die Straßenverkehrsregeln nicht beachtet werden“, betont Olsen. In der Regel seien die Oldenburger Verkehrsteilnehmer aber sehr gelassen: „Klar wird öfter mal gehupt, aber im Vergleich zu anderen Städten, ist es sehr friedlich“.

Olsen und Eichler sind von Anfang an Teil der Oldenburger „Critical Mass“ – auf die Frage, was sich seitdem verändert hat, antworten beide mit „Leider zu wenig“. Deswegen wollen sie auch weiterhin Präsenz auf der Fahrbahn zeigen.

Alexandra Meier
Alexandra Meier Digitalteam Wesermarsch
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