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Abschied: Zentralrat trauert um Sara-Ruth Schumann

29.10.2014

Oldenburg Sara-Ruth Schumanns Tod löste nicht nur in der Stadt, sondern auch weit darüber hinaus Bestürzung aus. Die ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg hatte bis Oktober 2012 die Gemeinde mit großem persönlichen Einsatz geleitet. Überdies war sie in vielen überregionalen und nationalen Gremien aktiv. Dr. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrates der Juden, nennt ihren Tod einen schweren Verlust für die gesamte jüdische Gemeinschaft in Deutschland. „Sara-Ruth Schumann ist viel zu früh gestorben“, erklärte er. „Sie war eine beeindruckende Persönlichkeit, die sich unermüdlich und mit Leidenschaft für ihre Gemeinde in Oldenburg eingesetzt hat. Ohne sie würde es die Jüdische Gemeinde zu Oldenburg vermutlich gar nicht geben.“

„Sie war eine Ausnahmepersönlichkeit“, sagt auch Nachfolger Jehuda Wältermann über die ehemalige Vorsitzende, die am Sonntag im Alter von 76 Jahren nach langer schwerer Krankheit in Hamburg verstorben war (NWZ  berichtete), wo ihr Sohn lebt. Wältermann beschreibt sie als seine Mentorin und bescheinigt ihr Kämpfergeist, aber auch Beschwingtheit. „Sie hatte so eine herzliche mitreißende Art. Sie hinterlässt eine Lücke, die so leicht nicht zu füllen ist“, sagt er.

Die am 8. August 1992 gegründete jüdische Gemeinde zählte 34 Gläubige und verzehnfachte sich unter der Ägide Sara-Ruth Schumanns. Mit ausgleichendem Führungsstil gelang es ihr, 90 Prozent Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion zu integrieren. Dieses Verdienst der Vorsitzenden, die auch mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, würdigten alle Festredner 2012, als das 20-jährige Bestehen der Gemeinde im PFL gefeiert wurde.

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Dieter Graumann skizzierte damals Sara-Ruth Schumanns Ansatz als vorbildhaft, sich nicht nur von der Vergangenheit gefangen nehmen zu lassen, sondern stattdessen Impulsgeber zu sein. Noch heute erinnert er sich: „Ich werde auch niemals vergessen: Im Juni 2012 war ich Gast bei der bewegenden Feier zum 20-jährigen Bestehen der Gemeinde. Es war Sara-Ruth Schumann, die auch ein verdientes Direktoriumsmitglied des Zentralrats war, anzumerken, wie stolz sie damals war. Und das völlig zu Recht.“

Von Anfang an setzte sie darauf, bundesweit vernetzt zu sein, unter anderem als Vize-Vorsitzende des niedersächsischen Landesverbandes und als jüdische Präsidentin im Koordinierungsrat christlich-jüdischer Gesellschaften.

Zur Einweihung der Synagoge im März 1995 begrüßte sie unter anderem den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder, den inzwischen verstorbenen Landesrabbiner Leo Trepp sowie den damaligen Zentralratsvorsitzenden Ignatz Bubis.

Sara-Ruth Schumann, in Bremen als Hedwig Abraham am 11. März 1938 geboren, überlebte die Nazizeit, da es ihrem Vater gelang, die Familie zu verstecken. Mehr als ein Dutzend ihrer Familienangehörigen waren von den Nazis ermordet worden. Dennoch setzte sie immer auf Aussöhnung und auf Aufklärung, um Vorurteile und Unwissenheit abzubauen. Tage der offenen Tür in der Synagoge waren ihr wichtig, aber auch Konzerte und Ausstellungen, schließlich war sie 13 Jahre lang Kulturamtsleiterin der Stadt.

Sara-Ruth Schumann erntete nicht nur Lob, als die liberale Gemeinde 1995 Bea Wyler als erste Rabbinerin bundesweit anstellte. Inzwischen teilen sich Alina Treiger und Jona Simon als Rabbiner-Ehepaar die Stelle. Sie gestalten die Trauerfeier, die an diesem Donnerstag um 13 Uhr auf dem jüdischen Friedhof an der Dedestraße beginnt.


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Sabine Schicke stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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