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Oldenburger Soziologin Rosemarie Nave-Herz als Kämpferin für Gleichberechtigung ausgezeichnet

Nach zweijähriger Corona-Pause wurde nun wieder die „Zonta-Frau des Jahres“ ausgezeichnet (v.l.)  Gunilla Budde (frühere Universitätsvizepräsidentin und Laudatorin), Preisträgerin Rosemarie Nave-Herz, Birgit Novy (Präsidentin des Zonta Clubs Oldenburg) und Swantje Fisser-Beilfuss (Area Director Zonta).

Nach zweijähriger Corona-Pause wurde nun wieder die „Zonta-Frau des Jahres“ ausgezeichnet (v.l.) Gunilla Budde (frühere Universitätsvizepräsidentin und Laudatorin), Preisträgerin Rosemarie Nave-Herz, Birgit Novy (Präsidentin des Zonta Clubs Oldenburg) und Swantje Fisser-Beilfuss (Area Director Zonta).

Piet Meyer

Oldenburg - Es ist eine Auszeichnung für ihr herausragendes und unermüdliches Engagement für die Gleichberechtigung der Frau, eine Würdigung ihrer Arbeit als frühere Soziologie-Professorin an der Carl von Ossietzky Universität mit dem Schwerpunkt Familie, Jugend und Freizeit sowie als Person, die vielen jungen Frauen Inspiration und Vorbild war und ist: Prof. em. Dr. Dr. hc. Rosemarie Nave-Herz ist die „Zonta-Frau des Jahres“.

Wandernde Statue

Die 87-jährige Oldenburgerin ist Trägerin vieler Titel und Ehrungen und als Wissenschaftlerin weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt und gefragt. In ihrer Heimatstadt durch einen Service Club berufstätiger Frauen geehrt zu werden, sei ihr „eine besondere Freude“ und mache sie stolz, so Rosemarie Nave-Herz im Anschluss an den offiziellen Teil der Verleihung im Wihelm 13 am Mittwoch, dem Weltfrauentag: „Zu Hause ist es immer etwas Besonderes, Persönliches.“ Die Zonta-Statue, die seit 2009 von Preisträgerin zu Preisträgerin wandert, wird einen schönen Platz in ihrem Arbeitszimmer bekommen.

Aufstrebend und hartnäckig

Wie viel Rosemarie Nave-Herz – unter anderem aus diesem Arbeitszimmer heraus – geleistet hat, stellte die frühere Universitätsvizepräsidentin Gunilla Budde in ihrer Laudatio heraus: Sie schlug den Bogen vom kleinen Mädchen, das Ende des Zweiten Weltkrieges mit ihrer Familie Berlin mit einem Flüchtlingszug verließ und in Göttingen landete, über die junge Frau, die in Köln Wirtschaft studierte, dort aber Gefallen an der Soziologie fand, bis zur aufstrebenden Akademikerin, die als eine der ersten Frauen am damals neu gegründeten Max-Planck-Institut arbeitete. Dann lehrte sie an der Universität in Köln, bracht dort aber ihre Zelte ab wurde 1975 Professorin für Soziologie in Oldenburg. Als Gastprofessorin lehrte sie an der University of Sussex in England, blieb Oldenburg aber immer treu, weil es hier „mehr Zeit für eigene Forschungsprojekte gab“, wie Gunilla Budde ausführte. Hier sei „Zeitmanagement“ für Nave-Herz eine Zauberformel gewesen, meisterlich habe sie Familie und Beruf unter einen Hut gebracht und immer mit Leidenschaft geforscht und gelehrt: „Ihre nie versiegende wissenschaftliche Neugier war der Motor der Karriere“, so Budde weiter. Natürlich habe Nave-Herz mit ihrem forschenden Blick immer auch auf ihr Umfeld geblickt: „Wir leben in der am besten familiensoziologisch erforschte Region.“

Grand Dame

In der Lehre sei Nave-Herz immer Vorbild gewesen, so Budde, die der Preisträgerin in ihrer Laudatio einen „verschmitzten Humor“, eine „ansteckende Begeisterung“ und ein stets „tadelloses Auftreten als Grand Dame“ bescheinigte. Und neben zahlreichen Ehrenämtern habe Rosemarie Nave-Herz als Gründungsmitglied der Oldenburger Soroptimisten, ein Club, in dem berufstätige Frauen netzwerken und sich gesellschaftlich engagieren, in der Stadt zeichen gesetzt.

Rückschritte für Frauen

Wie wichtig und aktuell diese Anstrengungen im Hier und Heute sind, betonten Birgit Novy als Präsidentin des Zonta Clubs Oldenburg und Swantje Fisser-Beilfuss, Area Director des Zonta-Clubs. Sie verwiesen in ihren Ansprachen darauf, dass beispielsweise gleiche Bezahlung für Frauen und Männer immer noch nicht Standard, in der Corona-Pandemie das moderne Frauenbild quasi zusammengebrochen sei, als sich die Frauen häufig im Alleingang um die Kinder kümmerten und eine immense Mehrfachbelastung zu schultern hatten, und Altersarmut in der Regel Frauen treffe.

Die Ehrung von Rosemarie Nave-Herz war gleichzeitig auch Wohltätigkeitsveranstaltung. Denn ein Teil der Eintrittsgelder fließt in das Zonta-Projekt „Gipfelstürmerinnen“. Gemeinsam mit den Vereinen Wildwasser und pro:connect unterstützt der Service Club Frauen, die sich beruflich verändern, weiterentwickeln und durchstarten wollen mit Coachings, Patenschaften und Netzwerken. Die Frauen bekommen Rückenwind, um unabhängig zu werden und ihre Karriere vorantreiben zu können. Informationen gibt es unter www.zonta-oldenburg.de

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg
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