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Mehr Fälle seit 2019 Zwangseinweisungen in Psychiatrie nehmen zu – Hohe Quote in Oldenburg

Von den Zwangsunterbringungen in der Psychiatrie sind mehr Männer mit einer psychischen Erkrankung als Frauen betroffen.

Von den Zwangsunterbringungen in der Psychiatrie sind mehr Männer mit einer psychischen Erkrankung als Frauen betroffen.

dpa

Oldenburg - Warum werden in Oldenburg im landesweiten Vergleich so viele Menschen mit psychischen Erkrankungen zwangsweise in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen? Die Ursachen hierfür will der Sozialpsychiatrische Dienst erkunden, um daraus Maßnahmen abzuleiten, um die Zwangsunterbringungen möglichst zu vermeiden. Denn für den Erfolg einer Behandlung gilt der Grundsatz „Freiwilligkeit vor Zwang“. Nur bei einer erheblichen und aktuellen Gefahr, die anderweitig nicht abgewendet werden kann, darf es zu einer solchen Unterbringung kommen.

Seit 2019 steigende Zahlen

382 Zwangsunterbringungen hat es im Jahr 2021 gegeben, 2020 waren es 365 und 2019 363 Fälle – das war das Jahr, als die Zahlen ohne erklärbaren Grund sprunghaft angestiegen sind. Denn 2018 gab es 266 Unterbringungen, in den Jahren davor noch weniger. Das sind die Zahlen, mit denen Oldenburg, bezogen auf 100.000 Einwohner, zu den Kommunen mit den höchsten Unterbringungszahlen gehört.

Die Statistik zeigt, dass mit 56 Prozent mehr Männer als Frauen (44 Prozent) untergebracht werden. Der Altersdurchschnitt liegt bei den Männern bei 43, bei den Frauen bei 47 Jahren. Die Daten zeigen, dass es ab einem Alter von 45 einen kontinuierlichen Anstieg der Unterbringungszahlen gibt. Etwa die Hälfte aller eingewiesenen Personen liegt in der Altersgruppe von 29 bis 61 Jahren. Bei der Mehrzahl der Betroffenen in dieser Altersklasse liegen laut Bericht des Sozialpsychiatrischen Dienstes schizophrene und wahnhafte Störungen sowie affektive Störungen vor.

Häusliche Betreuung fehlt

Der Sozialpsychiatrische Dienst stellt zudem fest, dass die Anzahl der Personen, die mehrfach auf Basis des Niedersächsischen Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke (NPsychKG) untersucht und eingewiesen werden, steigt. Kann daraus geschlussfolgert werden, dass deren Behandlung ambulant nicht optimal ist? Dr. Peter Orzessek vom Sozialpsychiatrischen Dienst spricht im Sozialausschuss, in dem der Bericht vorgestellt wurde, von einer „Verschlechterung der Versorgungssituation“. Eine Lösung sehen die Experten hier im Ausbau der aufsuchenden ambulanten Behandlungsangebote, um vor allem Schwerstkranke, die es nicht in Praxen schaffen, im häuslichen Umfeld betreuen zu können.

Aufmerksame Bürger

Orzessek und seine Kollegen machen im „höheren Sicherheitsbedürfnis insgesamt in der Bevölkerung“ einen weiteren Grund für gestiegene Unterbringungszahlen aus. Das führe zu vermehrten Meldungen der Bürger und damit zu mehr Überprüfungen und Unterbringungen. Auch in den Sozialen Medien würden Bürger aufmerksamer mitlesen und melden, wie es jemandem geht. Bei den Abläufen hinter einer Einweisung sieht der Sozialpsychiatrische Dienst eher eine stattgefundene Optimierung, es werde sehr auf den Einzelfall geachtet.

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg
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