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NWZonline.de Oldennerd

Ihr „Silberpfeil“ ist ihre Burg

13.08.2017

Oldenburg „Lieber haben als brauchen!“ ist ein Motto ganz nach dem Geschmack unserer Volontärin Imke Harms. Ihr Auto ist ihre Burg, und darin zählt jedes Detail. Wenn es darauf ankommt, meint die 28-Jährige, sollte so ein Auto auch als Wohngelegenheit dienen können. Als Oldennerd in Sachen Blechkistenaccessoires schildert sie uns einen solchen Fall mit ihrem geliebten „Silberpfeil“ (sorry Mercedes, so heißt er eben).

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Juli, Dauerregen, Stau. Und zwar nicht so ein bisschen nerviger, zähfließender Verkehr, nein – Stau! Einer, bei dem man theoretisch den Motor abstellen könnte. Mache ich aber nicht, weil dann die Scheibenwischer höchstens mit angelassener Zündung weiter ihren Dienst tun, und das will ich meiner greisenhaften Autobatterie nicht antun. Abgesehen davon beschlagen die Scheiben bei Regen immer so fürchterlich – die Lüftung stelle ich auf „volle Pulle“.

So stehe ich also im Stau. Im Juni. Bei Starkregen. Und warte. Zum Glück (zumindest in diesem Fall) gehöre ich zu den Menschen, die häufig im Leben folgendes Motto beherzigen: „Lieber haben als brauchen!“ Was den Inhalt meines geliebten – und zugegeben betagten – Autos angeht, halte ich mich jedenfalls strikt daran. Damit meine ich keine Hifi-Sonderausstattung, sündhaft teure Felgen oder hochwertige Fußteppiche. Es geht eher um die Accessoires meines Blechgefährts, um die wirklich wichtigen Dinge im Leben, um die Details. So lagere ich in meinem Silberpfeil (ja, mein Auto hat einen Namen!) nicht nur die Dinge, die vermutlich der Großteil aller Autofahrer dabei hat, also Kaugummis, Taschentücher, eine Sonnenbrille und eine Parkuhr – ich wohne quasi in meinem Wagen und habe so ziemlich alles immer dabei. Sicher ist sicher!

Das klingt jetzt nach purem Chaos, nach Dreck, Siff und Unordnung. Aber keine Sorge, ganz so schlimm ist es nicht. Ich habe das meiste in Kisten und Tüten verpackt, und eigentlich weiß ich bei allen Dingen, wo sie sind. Jedenfalls meistens…

Also krame ich ein bisschen hinter dem Rücksitz im Fußraum meines theoretischen Hintermenschen herum und ziehe zuerst einmal eine Flasche Wasser neben der obligatorischen Handvoll Stroh hervor. Als Reiterin gehört sich das so. Das Wasser ist abgestanden und warm, aber immerhin. Verdursten muss ich wohl nicht, hier im Nirgendwo auf der A29. Und wenn ich mich richtig erinnere, müssten auch noch irgendwo…. Oh nein – im Kofferraum! Cracker. Die habe ich meistens dabei, sie sind wunderbar praktisch, weil sie weder vergammeln noch schmelzen können.

Im Übrigen, man mag es nicht glauben, aber auch Äpfel halten sich wirklich erstaunlich lange, wenn man sie dunkel (also im Kofferraum) durch die Gegend fährt. Kleiner Tipp: Man sollte sich dringend merken, WANN und WIE VIELE Äpfel man so als Zwischen-Snack dabei hat, sonst wird es eben doch irgendwann eklig. Sogar bei Starkregen im Juli….

Aber zurück zu den Crackern. Meine alte 3-er BMW Limousine hat neben einigen anderen wunderschönen Extras auch eine „Durchreiche“ zwischen den Rücksitzen. Richtung Kofferraum. Bevor ich selbst Auto fahren durfte, habe ich mich immer gefragt, wozu die nützlich ist. Aber seit ich, wie schon erwähnt, meinen Silberpfeil zum zweiten Wohnsitz erklärt habe, liebe ich diese Klappe!

Okay, der Reihe nach: Abschnallen, Gang raus, Handbremse anziehen, den Sitz so weit zurückschieben wie möglich, und ab auf Tauchstation. Was bin ich froh, dass der Regen an den Scheiben herunterfließt und das Innere des Autos hoffentlich für gelangweilte, neben mir wartende und mit ihren Blicken umherwandernde Autofahrer unkenntlich macht. Ich hänge also kopfüber auf meinem Rücksitz, die Beine noch halb auf dem Fahrersitz, und versuche in die Schlaufe zu fassen, um die Klappe zum Glück – also zum Kofferraum und zu meinen Crackern – zu öffnen.

Dummerweise bleibe ich mit meinen Turnschuhen in der Mittelkonsole hängen und komme nicht weiter. Also irgendwie die Treter ausstrampeln und komplett auf den Rücksitz krabbeln. Geschafft. Ich bete, dass der Stau sich nicht ausgerechnet jetzt auflöst, und strecke meinen rechten Arm tief ins Dunkel meines Kofferraumes. Gut, dass ich meine Habseligkeiten so gut kenne, eben nicht nur optisch, sondern auch haptisch. Ich taste mich vorbei an eben erwähnter Tüte mit Äpfeln. Na gut, einer kann ja auch nicht schaden, schließlich weiß ich ja nicht, wie lange ich hier noch stehen muss. Errungenschaft Nummer eins fällt neben mir auf den Sitz.

Weiter geht’s. Es knistert, meine Hände fühlen mehrere Bäckertüten nebeneinander – ganz klar: getrocknetes Brot und alte Brötchenhälften, die natürlich nicht in den Müll wandern, sondern fürs Pferd aufbewahrt werden. Ebenfalls in die Kategorie Pferd fällt die umgewidmete Holzschublade, die irgendwann aus der Not heraus als Einkaufskiste diente und den Silberpfeil nie wieder verlassen hat. In ihr: mehrere Handtücher und Decken – eigentlich zum Putzen des Lederzeugs im Stall oder um nasses Fell trockenzurubbeln. Aber da sie im gewaschenen Zustand sind, können sie auch hin und wieder für andere Dinge äußerst nützlich sein. Zum Beispiel, wenn man total spontan auf einer Wiese picknicken will oder so… Kann ja mal passieren.

Außerdem finden sich hier sowohl zwei Paar Kreuzgurte für Pferde- Regen-, Abschwitz- und/oder Fliegendecken und obendrein noch ein Satz originalverpackter Beinschnüre für ebensolche. Auch an Bord ist Füllwatte, Desinfektionsmittel und Klebeband (für unvorhergesehene Verletzungen). Und Leckerlies dürfen natürlich nicht fehlen. Ganz wichtig: Gummistiefel (vor allem bei diesem Wetter gerade, grrr….). Ein Anbindestrick ist auch immer dabei, falls die sieben anderen im Stall plötzlich gleichzeitig den Geist aufgeben sollten oder im Anhänger mal keiner hängt. Der Pferdepass, zwei Satz Bandagen und zwei Schabracken (logischerweise eine in der Dressur- und eine in der Springausführung) komplettieren meine „Pferdekiste für alle Fälle“.

Direkt daneben wohnt meine „Sporttasche für alle Fälle“. Da ich meist nicht weiß, wann ich Feierabend machen kann, nehme ich vorsichtshalber einfach immer eine Grundausstattung mit. Schaffe ich es, düse ich einfach durch – wahlweise zum Reitstall oder zum Sportkurs. Also erneut ein Handtuch, eine normale Sporthose, eine Reithose und verschiedene Paar Schuhe (man braucht ja manchmal plötzlich und unerwartet Highheels), ein Top und eine Trainingsjacke, verschiedene Ausführungen an Socken, zwei verschieden dicke REGENjacken und Handschuhe. Außerdem befindet sich in dieser Tasche auch noch ein weiteres kleines „Mädels-Beauty-Case“: Haarklammern und Haargummis, Labellos, Duschgel, Deo, Bonbons, eine Nagelfeile, Haarspray, ein Kamm, ein paar Tampons, eine Zahnbürste und Zahncreme. Und natürlich Sonnenmilch. Auch hier gilt: Sicher ist sicher!

Ich lege mich quasi auf meine Rückbank, um noch weiter an die Ränder meiner Wunderkammer vorzudringen und erfühle die Ausstattung der Kategorie „Autoutensilien für alle Fälle“. Ergo: Zwei Rollen Zewa, Glasreiniger, Schloss- und Scheibenenteiser (braucht man im Juni!), einen Hammer, den Wagenheber, mehrere Schraubenschlüssel, Panzertape, Felgenpoliermittel und Cockpitspray. Daneben noch zwei Regenschirme: ein großer und ein Knirps. Alles über die Maßen sinnvoll auf jeden Fall, aber eben alles nicht essbar, also wühle ich weiter und komme vorbei an der Kiste „Arbeitsmaterial für alle Fälle“. In ihr enthalten sind mehrere Zeitungen und Zeitschriften, Briefmarken und Briefumschläge, Blöcke verschiedener Größe, Kulis, Textmarker, ein Tacker, Post-Its, Ladekabel aller Art, Kopfhörer fürs Handy und Büroklammern. Man kann ja nie wissen…

Verdammt nochmal, wo sind meine Cracker??? Inzwischen taste ich seit guten zehn Minuten liegend in der dunklen Höhle herum, mein Arm wird lahm. Also Seitentausch. Ich richte mich auf und will mich auf die andere Seite hieven, da sehe ich sie: Meine Cracker! Im Fußraum hinter dem Beifahrersitz! Wie kommen die da denn hin? Habe ich nicht eben noch gesagt, dass ich mich in meinem Chaos total gut zurechtfinde? Egal, ich schmeiße sie nach vorne und kraxle wieder auf den Fahrersitz. Puh, endlich sitze ich. Mist, vergessen die Schuhe anzuziehen! Aber da sich vor, hinter und neben mir auf der Autobahn noch immer nichts bewegt, bleibe ich halt in Socken sitzen. Das scheint sich hier noch etwas zu ziehen. Dann schalte ich den Wagen eben doch mal ab und mache es mir gemütlich. Falls ich hier übernachten muss, habe ich ja alles dabei! Sicherheit geht vor!

Imke Harms Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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