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NWZonline.de Oldennerd

Hier liegt die Alte Welt im Sterben

10.09.2019

Oldenburg Spiders ist ein französischer Entwickler von Indie-Games und wird daher oft verglichen mit einem Produzenten von B-Movies. Das kleine, etwas über zwanzig Mann starke Team aus Paris hat sich mit „Bound by Flame“ (2014) und „The Technomancer“ (2016) schon eine kleine Fanbasis aufbauen können. Mit „GreedFall“ soll nun aber der große Durchbruch gelingen.

Die Entwickler selbst bezeichnen „GreedFall“ als Fantasy-Rollenspiel, welches im Europa des 17. Jahrhunderts angelegt ist. Die Alte Welt liegt im Sterben. Der Kontinent ist verschmutzt, überbevölkert und wird von einer tödlichen, unheilbaren Krankheit heimgesucht. Seine erschöpfte Bevölkerung ist der Verzweiflung nahe. Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer am Horizont – eine abgelegene, verborgene Insel wurde entdeckt. Teer Fradee, ein von der Malichor-Pest verschontes Land, eine Oase des Lebens, wild und von der Menschheit unberührt. Die neue Welt verspricht Wohlstand, ist aber auch die größte Hoffnung der Menschheit, ein Heilmittel gegen den Malichor zu finden.

Als De Sardet, ein Adliger und Gesandter der Händlerkongregation, werden wir zusammen mit unserem Vetter, dem neuen Gouverneur, nach Teer Fradee geschickt, um ein Heilmittel gegen die Malichor-Pest zu finden.

GreedFall beweist von Anfang an, dass es ein waschechtes Rollenspiel ist. Im Charakter-Editor erstellen wir uns unseren eigenen Helden und haben dabei deutlich mehr Auswahl als man es von kleineren Produktionen gewöhnt ist. Das Spiel verzichtet auf ein reines Klassensystem und lässt uns frei aus Fähigkeiten und Talenten wählen, um unseren eigenen Stil zu kreieren. Neben den herkömmlichen Ein- und Zweihandwaffen, gibt es noch Pistolen, Gewehre, Magie und Fallen. Doch unsere Talente und Fähigkeiten wirken sich auf viel mehr aus. Wer ein guter Diplomat sein will, muss redegewandt sein, damit lassen sich schon mal einige Auseinandersetzungen verhindern. Unsere Intuition kann uns dabei helfen neue Dialoge freizuschalten oder wir reden erst gar nicht und schleichen uns mittels Schlösserknacken direkt zu unserem Ziel. Hier führen meistens viele Wege zu einem Ergebnis.

Doch auch bei der Erkundung der Welt sind uns die verschiedenen Talente hilfreich, durch Stärke oder Wissenschaft gelangen wir oft an Orte, die wir sonst nicht erreichen können. GreedFall bietet keine Open-World, wie es bei vielen Rollenspielen inzwischen Standard ist. Wir reisen frei von Gebiet zu Gebiet und erkunden diese halboffenen Areale. Hier hat der Entwickler seine Schwäche von einem geringeren Budget zu einer Stärke gewandelt. Die Orte sind liebevoll und schön designt, überall gibt es etwas zu sehen und zu entdecken, nie entsteht ein Gefühl, dass etwas nur als Lückenfüller dienen muss. Trotzdem sollte man nicht zu viel erwarten, gerade wenn es um das Innere von Gebäuden geht, ist alles ziemlich identisch.

Die klare Stärke von GreedFall liegt allerdings eindeutig in seiner Geschichte und den dazugehörigen Charakteren. Die Dialoge sind sehr gut geschrieben und ausgezeichnet vertont, das Letztere leider nur in englischer Sprache. Unsere Begleiter, von denen wir immer zwei an unserer Seite haben, mischen sich je nach Situation in die Gespräche ein, helfen oder schaden uns auch damit. Die Eingeborenen reden mit einem leichten Akzent und besitzen ihre eigene Sprache. Unsere Entscheidungen haben Auswirkungen auf die diplomatischen Beziehungen der einzelnen Fraktionen auf Teer Fradee, aber auch auf das Wohlwollen unserer Gefährten. Trotzdem ist es nie schwer zu erahnen, was die diplomatisch richtige Wahl ist. Ob wir sie auch treffen, liegt in unseren eigenen Händen.

Technisch macht GreedFall einen soliden Eindruck. Die getestete Version war noch ohne den inzwischen schon obligatorischen Day-One-Patch. Bis auf kleinere Probleme beim Nachladen der Texturen sind uns keine weiteren Fehler aufgefallen. Leider hatten wir an einer Stelle das Problem, dass wir die Hauptgeschichte nicht mehr fortsetzen konnten. Das ließ sich durch das Laden eines älteren Spielstandes aber beheben und soll laut Entwickler mit dem Update am Erscheinungstag schon behoben worden sein. Durch freies Speichern zu jeder Zeit lassen sich unliebsame Entscheidungen auch schnell wieder rückgängig machen. Sowohl das Speichern wie auch das Laden gingen selbst auf einer normalen Xbox One recht schnell.

GreedFall hat eine schöne Möglichkeit gefunden, damit wir uns die Ladezeit zwischen den Gebieten sinnvoll vertreiben können. Immer wenn wir zu einem neuen Ort reisen, werden wir zuerst in ein Lager auf dem Weg geschickt. Hier ist es möglich, an eine Truhe seine Ausrüstung zu ändern, seine Gefährten zu wechseln, zu handeln oder Handwerk zu betreiben. Sobald das Spiel das nächste Areal fertig geladen hat, bekommen wir eine Nachricht. Wer nichts davon erledigen möchte, rennt einfach direkt weiter und nimmt einen kurzen Ladebildschirm in Kauf.

GreedFall bietet, was Ausrüstung und Handwerk angeht, eins der schönsten Systeme, die Rollenspiele bieten können. Nicht nur, dass wir einiges an Auswahl haben, was unser Aussehen angeht, jede Fraktion bietet ihren ganz eigenen Stil, wir können durch das Handwerk auch noch an den Attributen der Ausrüstung werkeln. Dies zeigt sich auch optisch. Auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad ist dieses überhaupt nicht nötig. Wer das Spiel allerdings auf Schwer spielen möchte, muss deutlich darauf achten, wie seine Gruppe ausgerüstet ist.

Im Kern ist GreedFall zwar ein Action-Rollenspiel, durch die „Taktische Pause“ gewährt es uns aber die Möglichkeit, unseren Mitstreitern Befehle zu erteilen. Dies kann sich in höheren Schwierigkeitsgraden durchaus als nützlich erweisen.

Fazit:

GreedFall ist ganz klar kein AAA-Titel, das muss es aber auch nicht sein. Die Welt und die Geschichte können überzeugen. Das Kämpfen macht Spaß, und technisch ist es solide, auch wenn es optisch nicht herausragend ist. Mit 30-45 Stunden bietet es genug Spielzeit, ohne dabei eine Mammutaufgabe zu werden. Mehrere Enden lassen einen spüren, dass man wirklich Einfluss auf die Welt genommen hat, doch bei der Präsentation wäre eindeutig mehr drin gewesen. Wer Spiele wie „Gothic“, „Risen“ oder „Dragon Age: Inquisition“ mag, wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen. Eine klare Empfehlung für Liebhaber von Fantasy-Rollenspielen.

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