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NWZonline.de Oldennerd

Viele Stunden Kochfreude auf einen Blick

02.04.2019

Oldenburg Auf die Frage nach ihrem Lieblingsrezept hat die Fotografin Marina Ekroos drei Antworten: Erstens: Hühnersuppe, weil die Zubereitung so lange dauert und die Vorfreude wächst und wächst. Zweitens: Mamas Pelmenis, weil sie sie immer isst, wenn sie ihre Heimat Finnland besucht. Und schließlich sagt sie, drittens: "Senfeier stole my heart“. Das Gericht war der 36-Jährigen unbekannt – bis sie es zusammen mit neun weiteren deutschen Rezepten in ihr Fotobuch „Look and Cook“ aufnahm. Darin zeigt sie 60 internationale Gerichte und wie sie zubereitet werden. Doch mit einem klassischen Kochbuch hat „Look and Cook“ nichts zu tun.

Marina Ekroos

Die Fotografin lebt in Berlin und ist dort zurzeit als Unternehmerin mit dem Aufbau des Startups „Frameright“ beschäftigt. Die Software soll beim Publizieren von Fotos in unterschiedlichsten Formaten helfen.

An der Universität Tampere schloss die 36-Jährige ihr Masterstudium in Visueller Publizistik ab.

Das Rezepte-Fotobuch erschien neben Deutsch bereits auf Finnisch und Chinesisch. Die deutsche Version ist im ZS-Verlag erschienen und kostet 24,99 Euro.

Jeder Schritt auf einem Bild

Marina Ekroos, Fotografin und Unternehmerin. Bild: Marina Ekroos

Auf jeder Doppelseite stellt Ekroos ein Rezept vor: Gemüsebrühe, Auberginendip, Kohlrouladen, Gemüsequiche oder Apfelstrudel. So weit, so gewöhnlich. Das Besondere: Jeder Schritt der Zubereitung vom Schälen übers Schneiden bis zum Würzen, Mixen, Panieren, Dünsten, Kochen und Überbacken wird auf einem einzigen Foto dargestellt. Erklärend stellt die Finnin eine detaillierte Beschreibung dazu.

Vom Apfel zum Strudel: Reihe für Reihe beschreiben die Bilder die Arbeitsschritte. Bild: Marina Ekroos

Dieses Alles-in-einem-Bild gibt den Nachkochenden die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein: Wie sollte der Teig zu diesem Zeitpunkt aussehen? Hat meine Soße die richtige Farbe? Oder in wie viel Fett muss mein paniertes Schnitzel garen? Zusätzlich bietet es einen optischen Reiz: Denn die Kombination der Zutaten in den verschiedenen Zuständen – mal roh, mal geschnitten, mal gegart – lässt eine Farbenvielfalt entstehen, die Lust aufs Kochen, und damit auch aufs Essen macht.

Liebe geht durch den Magen, aber der Appetit kommt vom Zuschauen: Und so wird der Betrachter von den aufeinander abgestimmten Farbwelten der frischen Zutaten in den Bann gezogen, mal auf einem schlichten Holztisch, mal auf einer Spitzentischdecke oder auf motivreichen Tapeten.

Und alles gehört dazu: Kartoffelschalen, Mehlreste, Erde von frisch geernteten Radieschen – zum Prozess des Kochens gehören eben auch Abfälle. Hier wird ein Küchentisch abgelichtet, kein Kochlabor.

Am Anfang war die Kartoffel, am Ende steht der Kloß. Bild: Marina Ekroos

Kunst aus der Vogelperspektive

Marina Ekroos’ Werk zeigt das Kochen nicht nur als Kunst, sondern den Zubereitungsprozess als Kunstwerk. Und einen praktischen Nutzen hat jedes Werk auch: Denn es ist die perfekte, zeitsparende Umsetzung eines der unzähligen Kochvideos auf Youtube, die mit viel Wasser im Mund Bilder zum Anbeißen präsentieren. Hier braucht es nur ein Bild – und alles ist geklärt!

Diese modernen Stillleben aus der Vogelperspektive waren ursprünglich auch als Kunstprojekt geplant. Ekroos reichte zwei Rezept-Fotos bei der Helsinki School of Arts ein. Sie sollte ein Thema fotografisch behandeln, das ihr besonders wichtig ist. Die Bewerbung an der Hochschule scheiterte – die Bilder blieben, vermehrten sich und sind heute auch Teil von Ausstellungen.

Schnibbeln, Kochen, arrangieren: Der Produktionsprozess nimmt Zeit in Anspruch. Bild: Minna Kurjenluoma

Der Produktionsprozess ist aufwendig: Die 36-Jährige übt zunächst die Zubereitung der Rezepte, entwirft das Motiv als Skizze, geht dann einkaufen und komponiert die Zutaten auf dem Tisch. Das erfordert viel Zeit, denn sie muss jedes Gericht mehrfach zubereiten – einmal bis zum Ende und dann immer wieder bis zu einem bestimmten Arbeitsschritt. Fotografiert wird anschließend alles auf einmal. Ohne Nachbearbeitung, ohne Tricks aus der Food-Fotografie. Im Klartext: Alles, was Marina Ekroos fotografiert, ist auch essbar: „Nach dem Shooting sind Freunde mit Tupper-Schüsseln zu mir gekommen, um was mitzunehmen“, freut sie sich. „Ich hasse es, wenn Essen nach der Produktion weggeschmissen wird.“

Familiäres Arrangement

Für den Produktionsprozess hat sie sich im Haus ihrer Eltern in Helsinki einquartiert, hat unter anderem Decken, Töpfe, Pfannen und Besteck ihrer Großeltern benutzt und auch Tapetenreste aus dem Wochenendhaus der Familie. Somit ist „Look and Cook“ auch ein sehr persönliches Buch. Wer hier zuschaut, nimmt auch Platz am Tisch der Familie Ekroos.

So entsteht ein Rezept-Foto in „Look and Cook“:

Und dort wird traditionell finnisch gekocht, aber auch Gerichte, die die Köchin an ihre Stationen in Mexiko, den Niederlanden, Neuseeland und Deutschland erinnern. Dazu zählen Vorspeisen und Snacks wie Tortillas und Guacamole, Hauptgerichte wie Rinderrouladen und Burger oder Süßes wie Schokoladenkonfekt oder Zimtschnecken. Und eben das Gericht, das Marina Ekroos das Herz gestohlen hat: Senfeier.

Christian Schwarz Redakteur / Online-Redaktion
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