• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Oldennerd

Warum „Anthem“ Fans nicht richtig glücklich macht

07.03.2019

Oldenburg Als im Jahr 2017 der erste Trailer zu „Anthem“, dem neuen Shared-World-Loot-Shooter vom kanadischen Entwickler Bioware, gezeigt wurde, waren die Spieler hin und weg. Das Unternehmen, welches sich vor allem mit den Spieleserien „Dragon Age“ und „Mass Effect“ einen Namen gemacht hat, ist für seine außergewöhnlich guten Geschichten bekannt. Schon 2003 gelang es, mit „Star Wars: Knights of the Old Republic“ ein Spiel zu erstellen, welches heute noch eine große Fanbasis hat, die sich seit über einem Jahrzehnt einen dritten Teil wünscht.

„Anthem“ wirft uns in eine unbekannte und namenlose Welt, welche durch Götter mit dem Namen Shaper und der Hymne der Schöpfung (Anthem of Creation) erschaffen wurde. Doch die Shaper konnten die Hymne nicht kontrollieren und verließen die unvollendete Welt wieder. Weiteres ist leider nicht bekannt, und die Aufzeichnungen gingen verloren. Man selbst startet als Freelancer, eine Art Söldner in speziellen Kampfanzügen, genannt Jevelins.

Die Welt ist sicherlich eines der Highlights in „Anthem“: dichte Dschungellandschaften, durchzogen von Flüssen und meterhohen Wasserfällen. Ruinen und verlassene Plätze, kleine Lager am Wegesrand, liebevolle Details, wohin man blickt. Leider wirkt sie trotzdem sehr leer, da zwar einiges zum Entdecken einlädt, aber es einfach kein wirkliches Leben gibt. Wo der PC durch seine starke Flora zu beeindrucken vermag, merkt man den Konsolen ihr Alter hier durchaus an.

Während Bioware bisher immer Rollenspiele kreiert hat, haben sie mit dem Loot-Shooter „Anthem“ etwas anderes versucht. Man verfolgt seinen Charakter über die Schulterperspektive, um sich immer schwierigeren Gegnern zu stellen, die einen mit besserer Beute, auch genannt Loot, belohnen sollen. Die Geschichte bietet viel Potenzial, welches leider nicht genutzt wird. Während wir am Anfang des Spiels noch versuchen, eine Naturkatastrophe zu verhindern, wirft uns das Spiel danach mit einem Zeitsprung von zwei Jahren einfach in eine langweilige Mission. Bei dieser sollen wir die grundlegenden Mechaniken des Spiels lernen. Für uns heißt das: von Punkt A nach B fliegen, kurz warten, weiter nach C, kämpfen, weiter nach D, leuchtende Kugeln einsammeln. Mehr hat das Spiel hier nicht zu bieten, und dies zieht sich durch den gesamten Ablauf.

Die vier Jevelins – Ranger, Storm, Colossus und Interceptor – spielen sich sehr abwechslungsreich, und es macht immer wieder Spaß, mit ihnen durch die Missionen zu fliegen. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es dem Spiel an Inhalt fehlt. Abwechslung? Fehlanzeige.

„Anthem“ kann sich zudem nicht entscheiden, was es wirklich sein möchte. Einerseits bietet es die Möglichkeit, dass wir mit vier Personen in einer Gruppe spielen, andererseits schmeißt es uns nach jeder Mission wieder alleine in die Stadt Fort Tarsis zurück. Hier sollen wir dann mit allen möglichen Bewohnern Gespräche führen, die zwar nicht belanglos sind, aber unsere Hauptgeschichte nicht beeinflussen. Zwar können wir in den Dialogen Antworten geben, doch haben diese keine weitreichenden Auswirkungen, wie man es sonst von Bioware gewohnt ist. Ein Aufenthalt in der Stadt kann durchaus auch einmal 15 Minuten und mehr in Anspruch nehmen, doch was mache ich so lange mit meinen Freunden, die auf mich warten, um die nächste Mission zu starten?

Wenn man wieder in einer Mission steckt, kann man die Schwächen für eine kurze Zeit vergessen. Das Fliegen durch die Welt fühlt sich einfach nur toll an, und die Steuerung geht leicht von der Hand. Die Kämpfe sind mit Effekten nur so vollgepackt und bereiten einem immer wieder Freude. Nur bei den Schwierigkeitsgraden hätten sich die Entwickler durchaus mehr einfallen lassen können. Hier kommen keine neuen Mechaniken zum Tragen, die für mehr Spannung sorgen. Es wird einfach nur das Leben und der Schaden der Gegner massiv erhöht. Für den aktuell höchsten Schwierigkeitsgrad, Großmeister 3, bedeutet dies 3100 Prozent mehr.

Wer Spiele wie „Diablo“ oder „Destiny“ kennt, weiß, dass eine höhere Schwierigkeit auch besseren Loot (Beute) bedeutet. Doch gerade beim wichtigsten Punkt macht der Entwickler die größten Fehler. Anstatt sich ein Beispiel an Spielen zu nehmen, die gezeigt haben, wie ein Lootsystem auszusehen hat, damit es motivierend ist, werden hier die gleichen Fehler gemacht, die schon die Entwickler von „Diablo III“ am Anfang schmerzhaft zu spüren bekommen haben. Nicht nur, dass es an der Abwechslung der Waffen mangelt, es gibt sie auch noch mit vollkommen sinnlosen und nutzlosen Boni. In einem Spiel, bei dem der Loot für immer neue Motivation zum Weiterspielen sorgen soll, müssen sich die Waffen und Gegenstände immer mächtiger anfühlen und auch werden.

Während das Gameplay durchaus begeistern kann und einen für viele Stunden bei Laune hält, stören die ständigen Unterbrechungen den Spielfluss. Gerade die Ladeunterbrechungen sind den meisten Spielern ein Dorn im Auge. Zwar hat Bioware hier schon nachgeholfen und die zum Teil bis zu vier Minuten dauernden Ladebildschirme auf knapp unter eine Minute gebracht. Trotzdem sind sie noch ein großes Ärgernis. Ein Ladescreen zum Anfang einer Mission mag ja noch in Ordnung sein, aber noch einmal zwei weitere zum Abschluss sind einfach unnötig.

Hinzu kommen noch viele technische Probleme die gerade die Spieler auf den Konsolen betreffen. Wer auf der Xbox oder der Playstation spielt hat mit regelmäßigen Abstürzen vom Spiel oder der ganzen Konsole zu kämpfen. Dazu kommen noch weitere Bugs. Inzwischen erhalten Playstation Besitzer, von Sony, teilweise ihr Geld zurück, wenn sie das Spiel digital gekauft haben. Im Laufe der ersten 50 Spielstunden gab es beim Testen, auf der Xbox One, rund 80 abstürze.

Doch selbst wenn die technischen Probleme behoben sind, mangelt es Anthem an Inhalt. Je nachdem wie wir Spielen haben wir nach 10-25 Stunden, alles gesehen was das Spiel zu bieten hat.

Zum Fazit: Anthem hat viel Potenzial, welches nur ausgeschöpft werden muss. Die Schwächen in der Hauptstory lassen sich sicher nicht mehr beheben, aber dies ist auch nicht der wichtigste Punkt in einem Loot-Shooter. Bioware hat schon einen Plan für die ersten 90 Tage nach dem Erscheinen von Anthem angekündigt. Dazu noch unbekannte Inhalte bis zum Ende des Jahres. Dies wird dem Spiel sicherlich guttun aber man kann noch keine Aussage darüber treffen, ob es dadurch wirklich gerettet werden kann. Es gibt noch sehr viele Baustellen, an denen es etwas zu tun gibt. So gut das Gameplay auch funktioniert, kann es den Spielspaß nicht dauerhaft aufrechterhalten. Dazu kommt noch das der technische Zustand für einen Vollpreistitel nicht akzeptabel ist.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.