Osnabrück - Der israelische Diplomat Avi Primor (78) und der palästinensische Politiker Abdallah Frangi (69) teilen sich in diesem Jahr den mit 25 000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück.

Beide setzten sich trotz zahlreicher Widerstände seit Jahrzehnten unbeirrt für Dialog und Verständigung im Nahen Osten ein, sagte der Jury-Vorsitzende, Universitätspräsident Claus Rollinger, am Donnerstag. „Sie sind Gefährten auf verschiedenen Seiten, die in ihren Friedensbemühungen standhaft geblieben sind.“

Der Sonderpreis in Höhe von 5 000 Euro geht an die deutsche Initiative „EXIT“. Das Projekt unterstützt Menschen, die aus der rechtsextremen Szene aussteigen wollen. „Die Jury will damit ein Zeichen ins eigene Land hinein setzen, dass Widerstand sich lohnt“, sagte Rollinger.

Die Preise werden am 15. November im Friedensaal des Rathauses überreicht. Laudatoren sind die Journalistin Franziska Augstein und der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD).

Durch die Vergabe des Hauptpreises soll zudem der seit Jahrzehnten vor sich hinschwelende Konflikt in Israel und Palästina im öffentlichen Gedächtnis bleiben, betonte Rollinger: „Er darf nicht in Vergessenheit geraten.“ Eine weitere Eskalation der Spannungen müsse verhindert werden. Dazu könnten die Preisträger beitragen: „Sie sind die Repräsentanten einer Friedensinitiative, die dort bitter nötig ist.“

Der in Tel Aviv geborene Avi Primor ist in Deutschland vor allem aus seiner Zeit als israelischer Botschafter von 1993 bis 1999 bekannt. Nach seiner diplomatischen Laufbahn gründete er das Zentrum für Europäische Studien in Israel in Zusammenarbeit mit einer palästinensischen und einer jordanischen Universität.

Abdallah Frangi war von 1982 insgesamt 23 Jahre lang Vertreter der Palästinenserorganisation PLO und Generaldelegierter der Palästinensischen Autonomiegebiete in Deutschland. Er ist Mitglied der Fatah und seit 2009 persönlicher Berater von Präsident Mahmud Abbas in Gaza.

Der Friedenspreis ist nach dem 1898 in Osnabrück geborenen Autor des Anti-Kriegsromans „Im Westen nichts Neues“ benannt. Die Stadt verleiht die Auszeichnung seit 1991 alle zwei Jahre für belletristische, journalistische oder wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Frieden und für beispielhaftes Engagement für Frieden, Humanität und Freiheit. Zur Jury gehören unter anderen die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU), der Historiker Hans Mommsen und der Journalist und Jurist Heribert Prantl.