Hildesheim/Osnabrück - Weil kaum noch jemand katholischer Priester werden möchte, müssen die Geistlichen in den beiden niedersächsischen Bistümern künftig größere Gebiete mit mehreren Gemeinden zugleich betreuen. Den klassischen Gemeindepfarrer wird es wohl nur noch in größeren Städten geben, teilten die Bistümer Hildesheim und Osnabrück am Donnerstag mit.

Auch weil die Zahl der Gläubigen sinkt, sollen weitere Kirchengemeinden zusammengelegt werden. Im Bistum Hildesheim ist die Problematik drängender als im stärker katholisch geprägten Bereich des Osnabrücker Bistums. Mittelfristig wird nicht mehr jede Gemeinde einen eigenen Pfarrer haben.

Auf einen Rückgang der Priesterzahl ist das Bistum Hildesheim seit langem vorbereitet, in den vergangenen sieben Jahren aber sind 40 Geistliche mehr als vorgesehen ausgeschieden. Gründe seien neben frühem Tod und Krankheit der Weggang in ein anderes Bistum, auch aber ein Ausscheiden wegen Heirat oder des Bekanntwerdens von Missbrauchsfällen, sagte Weihbischof Heinz-Günter Bongartz. Er hofft, dass sich die Zahl der unerwarteten Ausfälle nicht in dieser Dramatik fortsetzt. Das Bistum hatte bereits viele Gemeinden zusammengelegt und damit deren Zahl verringert.

Derzeit arbeiten im Bistum noch 205 Priester, im Jahr 2025 wird mit nur noch 112 Priestern kalkuliert. Die Zahl der katholischen Kirchengemeinden lag vor wenigen Jahren noch bei 300. Sie soll nach einer Serie von Zusammenlegungen im kommenden Jahr aber auf rund 120 Gemeinden sinken.

„Der Rückgang der Priesterschaftskandidaten ist ganz erheblich“, sagte der Osnabrücker Bistumssprecher Hermann Haarmann. „Wir rechnen nur noch mit jährlich einer oder zwei Priesterweihen in den kommenden Jahren.“ Aus den derzeit 230 Gemeinden des Bistums sollen 50 Pfarreigemeinschaften sowie 20 eigenständige Gemeinden gebildet werden, denen jeweils ein leitender Pfarrer vorsteht. Derzeit gebe es noch rund 90 leitende Pfarrer.