Aurich - Der Aldi-Markt am Hammerkeweg in der Auricher Kernstadt wird Ende des Jahres geschlossen. Dadurch sehen die Anwohner und die Politik vor Ort eine Lücke in der Nahversorgung, die nur schwer zu schließen ist. Die Stadt Aurich hat die Pläne für den neuen Aldi-Markt am zwei Kilometer entfernten, neuen Standort an der Wiesenstraße in Sandhorst öffentlich im Rathaus ausgelegt. Bürger, Vereine und Institutionen können sie einsehen, um Bedenken oder Anregungen zum Projekt zu geben.
Nachmieter im Gespräch
Der 1260 Quadratmeter große Markt soll im November eröffnen. Investor ist Lothar Freese von der Freese Group GmbH & Co.KG, der den Neubau an Aldi vermietet. Ihm gehört auch die Immobilie am Hammerke weg. Er zeigte im Gespräch Verständnis für die Situation der Anwohner, hat bereits Gespräch mit Nachmietern geführt. Die klassischen Grundversorger mit Lebensmitteln seien nicht darunter, sondern unter anderem die „Action“-Kette oder ein Fitnessstudio. „Lebensmittel sind nicht dabei. Wenn jemand Interesse hat, kann er sich jederzeit melden“, sagte Freese. Er regte auch an, dass eventuell ein Dorfladen entstehen könnte, vielleicht unter Regie der benachbarten Werkstätten für behinderte Menschen: „Ich bin für alles offen.“
Aldi verlegt in Aurich seinen Standort von Hammerkeweg in der Innenstadt zwei Kilometer entfernt in die Wiesenstraße an den Stadtrand nach Sandhorst. Solche Pläne wurden lange als unmöglich gesehen.
Geplant ist in der Wiesenstraße ein Neubau auf einer Fläche von 1260 Quadratmetern. Der Stadtrat hat dazu bereits vor einem Jahr grünes Licht gegeben.
Die Anwohner im Hammerkeweg verlieren damit einen wichtigen Nahversorger. 570 Anwohner forderten in einer Unterschriftenliste den Erhalt des Versorgers.
Das Landesraumordnungsprogramm erlaubt – laut Stadtverwaltung – eigentlich keinen Nahversorger am Stadtrat, weil der Einzugsbereich gering ist. Doch in Aurich gelten auch in den Stadtteilen die gleichen Maßstäbe wie in der Innenstadt. Es gibt hier eine Ausnahmegenehmigung.
Der Auricher Stadtrat hatte dem Umzug im vergangenen Jahr zugestimmt. Die Bagger haben am neuen Standort bereits ihre Vorarbeiten aufgenommen. Dort war zuvor ein Edeka-Markt angesiedelt, der umziehen musste, weil er nicht vergrößern durfte. Aldi bekam nun eine Ausnahmegenehmigung.
Umzug bleibt umstritten
Doch der Umzug des Marktes vom Hammerkeweg in die Wiesenstraße am Stadtrand in Sandhorst bleibt umstritten. Vor allem Richard Rokicki (AWG), stellvertretender Bürgermeister im Ortsrat Stadtmitte, kritisiert den Umzug. Damit würde die Innenstadt um einen weiteren Nahversorger ärmer. „Es geht nicht gegen die Ansiedlung in Sandhorst“, betonte er, sondern um den Verlust eines Grundversorgers am Hammerkeweg. „Das Angebot dort ist durchaus berechtigt“, erklärte er.
Bereits Ende 2019 hatten in kürzester Zeit 570 Bürger durch ihre Unterschrift bekräftigt, dass der Verbleib von Aldi am jetzigen Standort notwendig sei. Rokicki überreichte Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) diese Liste. „Viele Einwohner haben erstaunt und enttäuscht darauf reagiert, dass eine Verlagerung des Marktes von der großen Mehrheit der Politik gebilligt wird“, sagte der Vize-Bürgermeister. Darunter viele ältere Mitbürger und solche, die in der Mobilität eingeschränkt seien. „Sie riefen an, um ihren Unmut und Verzweiflung über die beabsichtigte Schließung geäußert“, so Rokicki.
Nahversorgung wichtig
Vor allem aus dem Bereich der Werkstätten für behinderte Menschen, die im Bereich des Hammerkeweges angesiedelt sind, habe es kritische Anmerkungen gegeben: „Für diesen Personenkreis ist eine ortsnahe Versorgung von grundlegender Bedeutung.“ Rokicki sorgt sich die deshalb um die Innenstadtentwicklung. „Es ist erschreckend. Nach und nach verschwinden Lebensmittelläden aus dem Innenstadtbereich“, sagte er.
Für viele Kernstadtbewohner sei gerade die Versorgungslage im Zentrum ein Anreiz, um sich dort anzusiedeln. „Hohe Grundstückspreise und Mieten wurden mit Blick auf die vorhandene Infrastruktur in Kauf genommen. Jetzt müssen sie aber feststellen, dass die Innenstadt in dieser Hinsicht abgehängt wird“, sagte Rokicki, der am alten Aldi-Standort einen weiteren Leerstand befürchtet. „Ich appelliere auf diesem Wege nochmals an die Unternehmungsführung von Aldi, ihre Entscheidung zu überdenken und den Standort Hammerkeweg – unabhängig von der Maßnahme in der Wiesenstraße – zu erhalten“.
Warum Aldi seinen Standort vom Hammerkeweg nach Sandhorst verlegt? Insider sehen ein Argument für den Umzug in der für einen Nahversorger möglicherweise lukrativen, geplanten Neubesiedlung des ehemaligen Kasernengeländes an der Skagerakstraße. Eine Antwort an Aldi-Nord auf diese Frage steht bisher noch aus.
