Emden - Das Mittel der Kurzarbeit hat in den vergangenen Monaten in der Metall- und Elektrobranche die Entlassung von Beschäftigten in Emden größtenteils verhindert. Gleichwohl begleitet die Emder IG Metall dieses arbeitsmarktpolitische Instrument durchaus mit Vorsicht. Während nämlich die Regelungen in den größeren und großen Betrieben überwiegend reibungslos verlaufen, gibt es gerade in den kleinen Metall-Betrieben nicht selten Streit um die Mitbestimmungsrechte. Darauf hat die 1. Bevollmächtigte der Emder IG Metall, Franka Helmerichs, jetzt in einem Gespräch mit unserer Redaktion aufmerksam gemacht. Erste Fälle sind auch bereits vor dem Arbeitsgericht gelandet.
„Immer wieder versuchen die Chef der kleinen Betriebe allein zu entscheiden, wann Kurzarbeit nötig ist“, sagte die IG Metall-Chefin, die seit dem vergangenen September im Amt ist. Die Rechte der Beschäftigten würden dabei häufiger übergangen. Die Gewerkschaft versucht, das zu verhindern - auch wenn hier und da kein Betriebsrat vorhanden ist. Dagegen würde die Mitbestimmung in den Betrieben mit stark organisierten Belegschaften überwiegend berücksichtigt.
Insgesamt ist die Metall- und Elektrobranche in Emden nach Auffassung der IG Metall bislang aber ganz gut durch die Corona-Krise gekommen. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt, und wo es zu Engpässen kommt, hilft nicht zuletzt die Kurzarbeit. Allerdings blickt die Gewerkschaft aufmerksam auf die coronabedingten Arbeitszeitmodelle. Hier sieht Frank Helmerichs die Gefahr, dass die in den vergangenen Jahren erkämpften Rechte der Frauen wieder einen Rückschritt erfahren. Der Grund: Wenn es darum geht, die Kinder zu Hause zu betreuen, sind es oft wieder die Frauen, die kürzer treten.
Verändert hat sich in der Pandemie auch die Arbeit der Arbeitnehmervertretungen. Betriebsversammlungen finden kaum statt und wenn, dann vor allem digital. Die Betriebsräte haben nicht selten Probleme, Informationen zeitnah an die Belegschaft zu bringen. Und auch die Gesundheitsvorsorge habe als Thema mehr und mehr Raum eingenommen“, so die 1. Bevollmächtigte: „Man muss den einen oder anderen Arbeitgeber schon mal daran erinnern, dass die gültigen Hygieneregel auch eingehalten werden.“
Die Geschäftsstelle der IG Metall und damit die Gewerkschaftsarbeit der größten Emder Einzelgewerkschaft hat nach Angaben von Franka Helmerichs in den vergangenen Monaten einen regelrechten Digitalisierungsschub erfahren. Allerdings versuchen die Gewerkschaftsvertreter auch weiterhin, in den Betrieben präsent zu bleiben. Und: „Wir haben die gute alte Post wieder entdeckt.“ Auf diesem Wege komme man noch immer am besten an alle Mitglieder heran.
