Friesland/Wittmund - Wie steht es um den Arbeitsmarkt in Friesland, Wittmund und Wilhelmshaven? Diese Frage stellte sich der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade (AWV) und führte im März und April eine Umfrage durch. Gemeinsam mit den regionalen Jobcentern präsentierte der AWV am Donnerstag die Ergebnisse.
130 Unternehmen haben an der Wirtschaftsumfrage teilgenommen. Die Situation bei den freien Stellen hat sich im Vergleich zu den Vorjahren drastisch geändert. Während bei der vergangenen Umfrage 2021 knapp 50 Prozent angaben, unbesetzte Arbeitsplätze zu haben, sind es in diesem Jahr 71 Prozent. 122 Unternehmen aus Friesland und 110 aus Wittmund melden vakante Stellen. Dazukommen noch 134 (Friesland) und 102 (Wittmund) Arbeitsplätze, die bereits geplant, aber bislang nicht besetzt sind.
Keine Qualifikation
„Trotzdem würde ich sagen, dass die Region stabil ist“, sagt Henning Wessels, Hauptgeschäftsführer des AWV. Knapp 85 Prozent der befragten Unternehmen hätten ihre Situation als gut oder sehr gut bezeichnet. Trotz des Fachkräftemangels ist auch Andreas Bruns, Leiter des Jobcenters Landkreis Friesland, positiv gestimmt. „Eine hohe Kapazität und viele Aufträge sind gut. Die Frage ist nur: Wer soll das alles stemmen?“, gibt Wessels zu Bedenken. „70 Prozent der Leute, die wir betreuen, haben keinen Berufs- oder Schulabschluss“, offenbart Bruns. Darin liege auch das Problem. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist da, aber es scheint zu wenig qualifizierte Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt zu geben – zumindest bei den Jobcentern und besonders im Landkreis Wittmund. „Wir haben Fachkräfte oder Experten überhaupt nicht bei uns gemeldet“, sagt Wittmunds Jobcenter-Leiterin Claudia Lütkemeier. Stattdessen habe man viele Langzeitbezieher, die teilweise keinen geregelten Tagesablauf hätten.
Viele aus dem Ausland
Dazukomme die besondere Herausforderung, dass viele beim Jobcenter gemeldete Personen aus dem Ausland kommen. Einen besonders großen Anteil an Migranten hat der Landkreis Wittmund. „Wir haben 2486 Leistungsbeziehende, von denen 900 aus dem Ausland kommen“, sagt Lütkemeier.
Berufsanerkennung
„Damit geht ja nicht nur die sprachliche Barriere einher, die eine große Herausforderung darstellt“, sagt Bruns. „Wir haben Personen, die qualifiziert sind. Am Ende ist aber die Berufsanerkennung ein sehr langwieriges Verfahren.“ Eine ausgebildete Pflegefachkraft aus der Ukraine sei nicht gleichzusetzen mit einer examinierten Pflegekraft hierzulande. Vor allem beim Anerkennungsprozess wünscht sich Bruns eine Änderung. „Das ist mir einfach zu lang.“
