Aurich/Emden/Leer/Moormerland - „Ostfriesen halten zusammen“ steht auf dem Plakat am Gabenzaun in Aurich. Einige Plastiktüten hängen an dem metallenen Stangen, gefüllt mit Essen, Jacken oder auch Tierfutter. Seit gut drei Wochen steht das Rechteck aus vier Bauzäunen am Georgswall in Aurich. Bedürftige in der Corona-Krise können sich bedienen.
Aufgebaut wurde der Gabenzaun vor der Tagesaufenthaltsstätte Aurich von der Corona-Hilfe Ostfriesland. Ins Leben gerufen wurde die Initiative durch die Unternehmerin Kathrin de Buhr. „Es gibt 300 Obdachlose in Aurich“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. „Da ist der Bedarf auf jeden Fall da.“ Das sehe man alleine daran, wie schnell die Beutel vom Zaun abgenommen werden.
Alle halten sich an Verhaltensregeln
Tafeln für Kommunikation am Zaun
„Es läuft alles sehr geordnet ab“, zieht de Buhr nun ein erstes Fazit. Randalen, Müllablagerungen oder Ungeziefer habe es bis jetzt noch nicht am Gabenzaun gegeben. Wie viele Beutel genau auf- und abgehangen werden, könne man aber nicht genau sagen. Viele Kritiker hatten im Vorfeld Vandalismus vermutet, wie er in größeren Städten häufiger an solchen Institutionen auftritt. Aber davon in Aurich keine Spur. Auf einem Banner am Zaun stehen allgemeine Verhaltensregeln. Man muss beispielsweise den Sicherheitsabstand einhalten oder soll keinen Müll rumliegen lassen.
Bis die Tafeln wieder öffnen
„Es ist wie eine große Nachbarschaftshilfe“, sagt sie. „Niemand macht Unfug. Es hat uns sogar ein Auricher eine Mülltonne hingestellt.“ Täglich fährt ein Mitglied von Coronahilfe Ostfriesland beim Gabenzaun vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. „Niemand geht zum Gabenzaun, wenn er nicht Not ist“, vertraut de Buhr auf das Projekt. Nach der Corona-Krise werden die Zäune wieder abgebaut, sobald die Tafeln und sozialen Einrichtungen wieder geöffnet sind.
Weitere Gabenzäune gibt es auch in Leer (vor dem Zollhaus), Emden (Nesserlander Straße) und Moormerland (Dr.-Warsing-Str. 81 beim Yezidischen Kulturverein Ostfriesland).
