Aurich - In der Tagesstätte für psychisch kranke Menschen in Aurich ist Platz für 40 zu betreuende Personen. Alle 40 Plätze sind belegt. Die meisten der „Klienten“, wie sie Leiterin Elisabeth Wachtendorf nennt, sind dabei junge Menschen. Das war jedoch nicht immer so. „Durch die Pandemie kommen mehr Menschen mit Ängsten und Angststörungen zu uns, auch mehr als vorher“, berichtet Wachtendorf. Aber auch viele junge Menschen mit Depressionen besuchen die Tagesstätte. Die jüngsten Klienten haben ein Alter von 20/21 Jahren, die ältesten sind über 70. Viele der noch jungen Klienten werden in der Tagesstätte stabilisiert und gestärkt und schließlich in die Hände des Berufsintegrationsdienstes gegeben, um eine Arbeit zu finden.
Druck und Angst
Die Klienten, die unter Angststörungen leiden, versuchen die Betreuuer in der Tagesstätte zu beruhigen und ihnen ein sicheres Umfeld zu schaffen. Doch Nachrichten über neue Virusvarianten sorgen bei diesen Klienten auch immer wieder für Unruhe. Doch die hohe Zahl an jungen Männern und Frauen, die auch unter Depressionen leiden erklärt sich Wachtendorf auch noch anders. „Einige von ihnen kommen auch nicht mehr mit dem Druck zurecht, der von der Gesellschaft erzeugt wird. Es muss immer mehr geleistet werden. Wir müssen alle so perfekt sein. Gleichzeitig vereinsamen aber auch immer mehr junge Leute“, so die Leiterin.
Laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie sind jedes Jahr etwa 27,8 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ab einem Alter von 18 Jahren psychisch erkrankt. Das sind etwa 17,8 Millionen Menschen in Deutschland. Die meisten von ihnen leiden unter Angststörungen. Ein noch viel größeres Problem als die zunehmende Zahl von psychisch kranken Menschen ist jedoch die Dunkelziffer. Diese beschreibt die Menschen, die sich keine Hilfe holen und somit nicht erfasst werden.
Es muss mehr passieren
Noch immer trauen sich viele Menschen nicht über ihre psychische Erkrankung zu reden und noch immer ist es ein gesellschaftliches Tabuthema. Das bestätigt auch Wachtendorf. Die Diplom-Pädagogin hat eine klare Meinung zum gesellschaftlichen Umgang mit psychischen Erkrankungen. „Wir stecken noch immer in den Kinderschuhen. Es hätte bereits viel mehr passieren müssen. Viele wollen es noch immer nicht wahrhaben oder nehmen es nicht ernst.“
Der Wunsch nach mehr Verständnis
Die Tagesstätten-Leiterin sieht als Ursache dafür bei vielen die Angst, eigene Erkrankungen oder Probleme zu entdecken. Sie wünscht sich mehr Verständnis in der Gesellschaft und möchte, dass das Thema mehr Beachtung erhält. „Wir hatten in letzter Zeit einfach nur Zeit für Corona und haben uns viel zu wenig damit beschäftigt, wie es in der Gesellschaft aussieht, wie es den Menschen wirklich geht. Es muss einfach selbstverständlich werden zu sagen: Ich habe Depressionen.“
