Aurich - Sie können es kaum noch abwarten, wieder vor Publikum aufzutreten und zu schauspielern: Die Mitglieder des Niederdeutschen Theaters Aurich freuen sich schon jetzt riesig darauf, wenn es voraussichtlich im Januar oder Februar wieder losgeht. „Twee as Bonnie und Clyde“ heißt das Stück, das dann aufgeführt wird. Es handelt sich um ein Verbrecherpaar, das so manchen Rückschlag erleidet bei den Versuchen, das große Geld zu machen.
Der Verein entschied sich ganz bewusst dazu, zunächst ein Zwei-Personen-Stück aufzuführen: „Damit sind wir auf der sicheren Seite und können, fast unabhängig davon, wie sich Corona entwickelt, auftreten“, sagte Bühnenleiterin Heike Tunder. Das liegt wohl auch an einer prägenden Erfahrung, die der Verein zum Beginn der Corona-Krise machen musste. Drei Monate lang hatte ein großes Ensemble aus jungen und alten Darstellern das Stück „Die Welle“ eingeübt. Als die Premiere dann starten sollte, musste diese aber abgesagt werden. Nachholen können sie das Stück aber auch nicht, da viele der jungen Darsteller mittlerweile ins Studium gegangen oder anderweitig verzogen sind: „Das war schon ein herber Schlag“, so Tunder.
Michael Niendieker, der den klugen Kopf des Verbrecherpaares spielt, ist seit Anfang der 1990er Jahre dabei. Genau wie Elke Groenewold, die eine tollpatschige Verbrecherfrau inszeniert: „Wir wollen endlich wieder auftreten“, hieß es im NWZ-Gespräch. „Mir juckt das schon in den Fingern“, so Niendieker. Weit mehr als 18 Stücke haben die beiden jeweils schon aufgeführt. Eine derart lange Pause wie zu Coronazeiten hatten sie noch nie. Besonders fehlten ihnen die Übungsabende und Zusammenkünfte mit Gleichgesinnten: „Wir sind wie eine große Familie“, so Groenewold. Und die beiden Darsteller beanspruchen den Ruhm einer erfolgreichen Vorführung auch nicht für sich allein – im Gegenteil: „Ohne die Regisseure, Technik, Maskenbildner, Bühnenbauer, Bühnenleiter und alle anderen wären wir nichts“, sagte Groenewold und Niendieker nickte zustimmend und ergänzte: „Schauspielerei ist ein Mannschaftssport“.
Der größte Lohn für ihre teils monatelange Arbeit, in der Groenewold und Niendieker teils mehr als 40 Seiten voller Text lernen, sich Schritte einprägen, Mimik und Gestik einstudieren und vieles mehr, der Applaus am Ende einer Aufführung: „Das sauge ich auf wie ein Schwamm“, so Niendieker. Und auch Groenewold gibt der Applaus „eine ganze Menge zurück“, wie sie sagte. Es gebe aber auch noch weitaus mehr Vorteile: „Wir können mal jemand ganz anderes sein, eine ganz andere Seite ausleben“, hieß es. Und sie könnten sich selbst und dem Publikum damit eine Freude machen. Wer Lust hat, sich auch mal auf der Bühne auszuprobieren, als Bühnenbildner mitwirken möchte oder einfach nur Lust auf gesellige Abende hat, der sollte eine E-Mail an info@ndt-aurich.de schreiben.
