Aurich - Ernst Kuntner ist sauer und enttäuscht. Er leitet bereits seit mehreren Jahren ehrenamtlich die Auricher Tafel. Zusammen mit 19 anderen Ehrenamtlern gibt er bei der Tafel an der Julianenburgerstraße bis zu dreimal die Woche Essen für bis zu 700 Menschen aus. Die hohe Zahl an Tafelbesuchern kommt zusammen, da sich hinter einem Tafelausweis teils ganze Familien befinden. Doch immer wieder erreicht Kuntner Kritik. „Es gibt Menschen, die verurteilen die ausländischen Tafelbesucher und scheren alle über einen Kamm. Das kann ich nicht nachvollziehen“, so der ehrenamtliche Leiter.
Neben der Kritik nervt Kuntner aber auch die Selbstverständlichkeit, mit der viele Menschen die Arbeit der Auricher Tafel betrachten. „Viele Menschen machen sich einfach keine Gedanken um uns, da sie selbst in einer ganz anderen Situation sind. Bei vielen liegt es aber auch daran, dass sie gar nicht wissen, was bei so einer Tafel geleistet wird.“ Gerade den Kindern unter den bedürftigen Familien eine Freude zu bereiten, ihnen ein Kuscheltier oder eine Tafel Schokolade schenken zu können, macht für den langjährigen Tafel-Unterstützer seine Arbeit so wertvoll und besonders.
Viele Mitarbeiter seit Jahren mit Herzblut dabei
Um das Essen ausgeben zu können, fahren die Tafelmitarbeiter jede Woche einkaufen und Waren abholen, sie sortieren das Essen und lagern es ein. Außerdem mussten sich die Mitarbeiter gerade durch die Auflagen, bedingt durch die Corona-Pandemie, ein neues Konzept für die Ausgabe überlegen. Inzwischen sind sie auf das Ausgeben des Essens mittels großen Körben umgestiegen. Diese werden entsprechend der Anzahl der Menschen, die hinter dem jeweiligen Tafelausweis steht, von den Mitarbeitern der Tafel gepackt und ausgegeben. „Alle sind hier immer mit Herzblut dabei und helfen bereits seit Jahren“, so Kuntner. Unter einem großen Unterstand im Innenhof können die Bedürftigen dann ihre Waren in Taschen umpacken und die Körbe direkt wieder abgeben. „Wir mussten uns ja etwas überlegen, da wir die Menschen ja nicht durch die Räume leiten können“, erklärt Kuntner.
Auch an Weihnachten für die Menschen da
Auch an Heiligabend hat die Ausgabe offen. Von 12.30 Uhr bis 15 Uhr können dann Waren abgeholt werden. Zehn ehrenamtliche Helfer werden in dieser Zeit wieder das Essen verteilen, bevor sie dann selbst zu ihren Familien fahren. Ernst Kuntner schätzt, dass wieder 50 Inhaber von Tafelausweisen kommen werden. Schon jetzt sind einige Regale in der Tafel gefüllt, doch es sollen noch mehr Lebensmittel kommen. „Ich vermute durch die Corona-Auflagen für die ganzen Restaurants, werden wir nach Weihnachten mit Waren überrannt“, erklärt der Leiter. Schon jetzt gäbe es für diese Jahreszeit viel mehr Ware als sonst. Gerade vor den Feiertagen sei diese Ausgabe für die Menschen der Tafel wichtig, denn dann haben die Geschäfte ein paar Tage zu und viele keine andere Möglichkeit an Essen zu gelangen.
