Aurich - Es ist das bisher größte Baugebiet in Aurich: Fünf Straßen in der neuen Mega-Siedlung Im Timp zwischen Extum und Haxtum werden nach bedeutenden Frauen benannt. Das hat der Ortsrat für die Ortsteile Extum, Haxtum, Kirchdorf und Rahe beschlossen. Insgesamt sind dann 16 Straßen im Stadtgebiet nach Frauen benannt, rund 80 nach Männern. In dem Baugebiet entstehen 240 Wohnheinheiten. Eine sechste Straße trägt den Flurnamen „Stubbenland“.

Die Planstraßen sollen nach Hannelore Wolff, Ingrid Buck, Recha Freier, Wilhelmine Siefkes sowie Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen benannt werden, teilt Inga Graber für die Ostfriesische Landschaft mit, die hier eine wichtige Hilfestellung gab. Eine kleine Initiative bestehend aus Katrin Rodrian, Leiterin der Kulturagentur der Ostfriesischen Landschaft, Günther und Elfriede Lübbers sowie Irene und Adrian Mills hatte die Straßennamen vorgeschlagen. Katrin Rodrian leitet den Runden Tisch „Reise ins jüdische Ostfriesland“ und ist Mitglied des Runden Tisches „FrauenLeben in Ostfriesland“.

Anlässlich des Todes von Hannelore Wolff im vergangenen Jahr hatte Günther Lübbers, Sprecher der AG Auricher Stolpersteine, zunächst vorgeschlagen, eine Straße nach ihr zu benennen. Hannelore Wolff, spätere Laura Hillman, erlitt Qualen in insgesamt acht Konzentrationslagern und überlebte, weil sie auf Schindlers Liste stand. Bei den weiteren Vorschlägen war der Runde Tisch „FrauenLeben in Ostfriesland“ beteiligt. So kam es, dass es sich bei den vier der fünf Genannten um engagierte Frauen handelt, die durch den Landesfrauenrat Niedersachsen zum frauenORT ausgezeichnet wurden.

Ingrid Buck aus Aurich war und ist bis heute die einzige weibliche Landschaftsrätin in der Ostfriesischen Landschaft. Ihre volkskundlichen Forschungen zur Fest- und Alltagskultur in Ostfriesland gilt heute noch Grundlage für Ausstellungen und Veranstaltungen im Historischen Museum in Aurich sowie in der Fachstelle für Volkskunde bei der Ostfriesischen Landschaft.

Recha Freier aus Norden war Mitbegründerin der Jugend-Alijah und verhalf Tausenden von jüdischen Kindern und Jugendlichen zur Flucht nach Palästina und rettete dadurch ihr Leben vor den Nazis.

Wilhelmine Siefkes aus Leer war Lehrerin und Schriftstellerin. In ihren Werken thematisierte häufig die drängendsten Probleme von Kindern und Jugendlichen. Um diese mit ihrer Literatur zu erreichen, schrieb sie in plattdeutscher Sprache. Ihre bekannteste Romanfigur ist der „Keerlke“. In den 1920er Jahren engagierte sie sich für die Sozialdemokraten im Leeraner Stadtrat.

Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen aus Pewsum ist die erste niedergelassene Fachärztin für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe im Deutschen Reich. Sie zählt zu den Pionierinnen der akademischen Frauenberufe.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich