Aurich - Es sind mehr als 3300 Kilometer von Aurich bis nach Marokko, 3300 Kilometer die niedertragende Zuchtrinder in Transportern überstehen müssen, um ihr neues Zuhause zu erreichen. 2021 wurden bislang 10.767 Rinder, 14.566 Schafe und 873 von Aurich aus exportiert. Manche von ihnen in Drittländer wie Marokko, Katar, den Kosovo, Russland oder sogar die Türkei. Andere von ihnen wurden innerhalb der Europäischen Union nur in Nachbarländer wie Belgien, Frankreich, Italien und die Niederlande exportiert. All diese Transporte müssen tierschutzrechtlichen Standards unterliegen und vom Veterinäramt des Abreiseortes genauestens kontrolliert werden. „Für jeden Transport existiert ein umfangreiches Fahrtenbuch, das sämtliche Details bis zum eigentlichen Bestimmungsort beinhaltet. Jeder im Landkreis Aurich abgefertigte Tiertransport wird von der Planung über den Verladevorgang und dem Verlauf bis zum Bestimmungsort kontrolliert“, erklärte Kreissprecher Rainer Müller-Gummels für das Veterinäramt Aurich.
Zuchttiere für Drittländer
Doch die Kontrolle über eine so lange Strecke ist nicht leicht zu bewerkstelligen, denn die Tiere müssen zwischendurch immer wieder abgeladen und in Ruheplätzen untergebracht werden. Diese langen Tiertransporte bedeuten trotz der festgelegten Ruheplätze für die Tiere Stress und werden daher gerade von Tierschützern bekämpft.
Erst kürzlich hielt die Gruppe Ostfriesen gegen Tierleid vor dem Gelände des Ostfriesischen Stammviehzüchter Vereins (VOST) eine Mahnwache ab. Sie erheben schwere Vorwürfe gegen den Verein, der vom Standort in Aurich aus auch Tiere nach Marokko und Russland exportiert. In den Herbst- und Wintermonaten bis zu vier Mal im Monat. Bei den transportierten Tieren handelt es sich laut eigener Aussage von VOST „ausschließlich um Zuchttiere, da in den Zielländern außerhalb der EU der Aufbau bzw. Ausbau einer Milchkuhpopulation zur Versorgungssicherung der dortigen Bevölkerung mit Milchprodukten im Fokus steht.“ Kälber werden laut den Angaben des Vereins nur in die Niederlande transportiert.
Tierschützer erheben Vorwürfe
„Tiere werden als Zuchttiere deklariert und dorthin exportiert, um dort dann als Schlachttiere zu enden“, ist sich Jutta van Vorst, Mitglied der Gruppe Ostfriesen gegen Tierleid sicher. Sie hört immer wieder von Unternehmen in Drittländern, die vorgeben eine Zucht aufbauen zu wollen, dies aber nie tun. Doch nicht nur das allein bereitet ihr und ihren Mitstreitern Sorge, sondern auch die Transportbedingungen. „Die Transporte finden ja überwiegend im Herbst und Winter statt. Da stehen die Tiere zusammengepfercht über Stunden bei Wind und Wetter auf den Transportern. Teils gibt es nicht mal überall Ruheplätze. Für die Tiere bedeutet das Stress“, so van Vorst. Sie und ihre Gruppe wünschen sich stärkere Auflagen und Kontrollen vom Auricher Veterinäramt. Nach van Vorsts Auffassung, werden noch immer viel zu viele Transporte genehmigt, die die Standards nicht erfüllen.
Veterinäramt stößt auf nicht transportfähige Tiere
Tatsächlich wurden vom Veterinäramt in Aurich im Jahr 2020 fünf Auffälligkeiten bei Transporten festgestellt. Dabei handelte es sich unter anderem um Tiere, die nicht transportfähig waren und aussortiert werden mussten und Lkw, die nicht sauber genug waren. Auch im Jahr 2021 kam es zu vier Auffälligkeiten. Der Ausfall eines GPS-Systems während der Fahrt und ebenfalls nicht genügend gereinigte Lkw fielen darunter.
