Aurich - Im Auricher Stadtrat blieben die Erdrutsche aus. Die SPD konnte ihre Mehrheit aus 13 Sitzen gegenüber 2016 verteidigen. CDU musste zwei Sitze (11/9) abgeben, künftig ist nun auch Die Basis bei 647 Stimmen mit einem Sitz vertreten. Vor der Wahl hatte Silvia Lübcke die CDU-Fraktion bereits verlassen. Die Grünen gehören zu den Wahlgewinnern, kletterten von drei auf fünf Sitze, hatten jedoch noch auf einen sechsten Sitz gehofft. Auch die FDP befindet sich - wie im Bundestrend - im Aufwind. Sie klettert von einem auf drei Sitze im Stadtrat. Die AWG konnte ihre vier Sitze verteidigen, verlor jedoch gegenüber 2016 Wählerstimmen. Die GAP muss einen von bisher zwei Sitzen abgeben.

Die SPD sieht einen engagierten Wahlkampf belohnt, jedoch den Bundestrend auf die Kommune durchgeschlagen, sagte SPD-Fraktionschef Harald Bathmann. Die traditionellen Themen, darunter die Bildungspolitik mit den Kindertagesstätten stünden weiter im Fokus, jedoch auch der Klimaschutz oder der öffentliche Nahverkehr. Beim Auricher Anrufbus wolle man auf die 300000 Euro noch aufsatteln. Doch auch das Ehrenamt und die Vereine sowie die Jugendarbeit habe man weiter im Visier.

Grünen-Fraktionschefin Gila Altmann freut sich - wie Parteikollegin Viola Czerwonka - über ein Direktmandat und die beiden zusätzlichen im Stadtrat. Für sie ist das ein Zeichen, dass vor allem die Klimapolitik ein wichtiges Thema für die Auricher ist. „Nach dem Starkregen am Freitag vor der Wahl müssen wir viel mehr gegen die Bodenversiegelung und Schottergärten unternehmen, etwa in Neubaugebieten“, sagte Altmann. Doch vor allem seit die geplante neue Bundesstraße B210n für viele Menschen ein „rotes Tuch“, während umgekehrt das Bekenntnis der Grünen zu einem Personen-Bahnanschluss für die Kreisstadt vom Wähler hoch bewertet wurde. Richard Rokicki (AWG) hätte sich durchaus einen Sitz mehr im Rat gewünscht, freut sich jedoch über einen weiteren Sitz im Ortsrat Upstalsboom. „Der Trend der Bundestagswahl ist nach Aurich geschwappt. Allerdings war die Wahlbeteiligung diesmal auch nicht so hoch“, räumte Rokicki ein.

Arnold Gossel bedauert die beiden Sitzverluste, für den zehnten Sitz fehlten 15 Stimmen. „Es ist für uns sehr ärgerlich, dass dieser Sitz an die Basis gegangen ist, die nur 57 Stimmen bekommen haben. Hier ist unser Wahlrecht aus meiner Sicht nicht in Ordnung“, so Gossel. Verwundert sei er über die vielen Stimmen bei der SPD, „obwohl in deren Reihen seit langer Zeit viel Unruhe“ herrsche. Ebenso habe ihn das schlechte Abschneiden der Gemeinschaft für Aurich (GfA) überrascht, die im Vorfeld sehr siegessicher gewesen seien. Auch die AWG habe noch vor der Wahl einen deutlichen Zugewinn einkalkuliert. „Überraschend ist das gute Abschneiden der FDP“, so Gossel. Der Bundestrend, betont der Fraktionschef, sei „nicht zu unseren Gunsten“ gewesen. „Die Fehler müssen wir bei uns suchen“, so Gossel. Man habe den Verlust der Stimmen durch das Ausscheiden von Johann Bontjer, Erich Fokken und Jabine Janssen nicht auffangen können. „Wir haben zwar nicht gewonnen, sind aber immerhin zweitstärkste Fraktion im Stadtrat. Wir werden uns in alle Belange einsetzen und unser Wahlprogramm umsetzen“, so Gossel.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich