Hage - In Hilgenriedersiel ist aktuell schweres Gerät am Deich im Einsatz: Der Netzbetreiber Tennet hat dort in der vergangenen Woche mit den Erdarbeiten der Trasse „BorWin5“ begonnen, aktuell wird die sogenannte Rückspülleitung angelegt. „Die Leitung wurde bereits geschweißt und wird nächste Woche ,eingeschwommen’, dann geht es mit den Kabelbohrungen weiter“, erklärt Cornelia Junge, Tennet-Sprecherin für Offshore-Projekte. Die Rückspülleitung ist notwendig, um das im Bohrvorgang für die eigentlichen Kabelkanäle eingesetzte Wasser wieder abzuleiten. Bis Ende August sollen dann zwei horizontal verlaufende Kanäle mit 1080 Meter Länge unterhalb des Deiches komplett verlegt sein, stellt sie in Aussicht. Dass der Termin gehalten wird, davon geht Junge aktuell aus: „Bisher läuft alles nach Plan.“

550 Meter lange Teilstücke von Norderney
Arbeiten im Watt vor Hilgenriedersiel, wo die Trasse von Norderney aus kommend „anlanden“ wird.

Arbeiten im Watt vor Hilgenriedersiel, wo die Trasse von Norderney aus kommend „anlanden“ wird.

Die Rohre für die Trasse werden indes nicht an Land, sondern seeseitig „eingeschwommen“, also im Bohrloch verlegt. „Wir haben auf Norderney einen Schweißplatz eingerichtet“, sagt Junge, „die Anlieferung des Materials ist auch bereits erfolgt.“ Dort werden aus jeweils zwölf Meter langen Kunststoffrohren zwei 550 Meter lange Teilstücke geschweißt, mithilfe von Pontons bis kurz vor den Deich gebracht und beim Einschwimmen dann miteinander verbunden. Die fertige Trasse mit einer Kapazität von bis zu 900 Megawatt wird nach der Vollendung dann vom Offshore-Windpark „He Dreiht“ über die Insel Norderney und Hilgenriedersiel bis nach Garrel landeinwärts verlaufen. Von den insgesamt 230 Kilometern Länge verlaufen 120 Kilometer als Seekabel in der Nordsee. 2025 plant Tennet die Inbetriebnahme.

Bohrungen in Hilgenriedersiel Tag und Nacht

Die jetzt erfolgenden Bohrungen werden nacheinander jeweils 14 Tage ohne Unterbrechung geschehen, wie es seitens der örtlichen Tennet-Bauleitung heißt. Der Grund: Wenn der Bohrer stoppt, fällt der Kanal in sich zusammen, weil das Erdreich – zumeist Sand – nicht stabil genug ist. „Der Bohrkanal wird nur durch die Spülung gestützt. Deshalb ist es technisch erforderlich, die Arbeiten am Stück zu machen“, heißt es. Um den Küstenschutz zu gewährleisten, kann das auch nur im Sommer getan werden, denn im Herbst drohen Sturmfluten und Bauarbeiten am Deich müssen bis dahin beendet sein.

Arne Haschen
Arne Haschen Digitalteam Wesermarsch