Moorlage - Während Landwirte in Berlin gegen das angekündigte Insektenschutzgesetz demonstrieren, findet ein Dialog zwischen Politik und Bauern auch in Ostfriesland statt: Die Auricher FDP traf sich am Montagabend mit Vertretern der Initiative „Land schafft Verbindung (LsV) Ostfriesland“ in einer Reithalle in Moorlage, um über die aktuelle Lage zu sprechen. Mit dabei war auch Gero Hocker, landwirtschaftspolitischer Sprecher der FDP im Bundestag.
Dilemma der Bauern
Ein Thema des Abends war, dass Landwirte in Medienberichten oft als Alleinverursacher von Umweltproblemen dastünden. „Wenn bis zu 90 Prozent von befragten Bürgerinnen und Bürgern erklären, selbstverständlich bereit zu sein, mehr Geld für mehr Tierwohl auszugeben und dann doch heimlich die 90-Cent-Würstchen auf ihren 500-Euro-Grillen garen, dann zeigt dies das aktuelle Dilemma recht eindrücklich“, formulierte die FDP-Bundestagskandidatin Sarah Buss.
Die Freien Demokraten stünden deshalb an der Seite der Landwirtschaft und verlangen, dass endlich Politik mit den Betroffenen gestaltet wird und nicht „an den wissenschaftlichen Fakten vorbei“ entschieden wird. Ein Problem sei hier die öffentliche Wahrnehmung des Streits, etwa beim Reizthema Glyphosat. „Die Deutsche Bahn ist noch immer einer der größten Nutzer von Glyphosat“, sagte Gero Hocker.
Lösungen statt Geld
Kritisiert wurde in der Gesprächsrunde auch der Ansatz, Probleme mit Geld lösen zu wollen – Stichwort „Bauernmilliarde“. „Wir wollen kein Schweigegeld, wir wollen faire Bedingungen und eine echte Perspektive für unsere Betriebe“, erklärte Landwirt Theo Schneider. Echte Lösungen seien Mangelware. In dieser Hinsicht fühlten die Bauern auch nicht mehr ernstgenommen. „Wieso treffen wir immer Politiker, die fleißig zu unseren Anliegen nicken und dann doch anders abstimmen?“ fragte LsV-Vertreter Jens Soeken.
Echte Veränderungen in der Politik erforderten allerdings Expertise, auch innerhalb der zuständigen Gremien. Die Landwirte müssten sich deshalb künftig aktiv in den Parlamenten beteiligen, so die Meinung der FDP. Hocker: „Wir brauchen ein echtes Abbild unserer Gesellschaft in unseren Parlamenten.“ Der bisherige öffentliche Umgang mit der Landwirtschaft sei aus Sicht der Partei unerträglich und „nicht mehr hinnehmbar“.
In dem Zusammenhang formulierte der FDP-Bundestagssprecher auch scharfe Kritik an Umweltministerin Svenja Schulze. „Unsere Bundesumweltministerin macht sich zur Erfüllungsgehilfin einer Ideologie, die vom Nabu vorangetrieben wird und wissenschaftlicher Grundlagen allzu oft leider entbehrt“, so Gero Hocker.
