Ostfriesland - Himmelfahrt steht vor der Tür, doch in den Niederlanden wird von einem Besuch abgeraten. Das machte Jolanda de Jager, Sprecherin der Gemeinde Oldambt im Osten der Provinz Groningen, auf Anfrage deutlich. Zu groß ist die Furcht vor weiteren Ansteckungen. Ausflügler dürfen ohne Corona-Test bis zu 30 Kilometer mit dem Auto, Zug oder Bus in das Nachbarland hereinfahren.
Die Lockerung der Auflagen am 28. April sei in den Niederlanden minimal gewesen, einer weitere Lockerung verschoben worden. „Wir sind immer noch weitgehend in einer Blockade“, sagte de Jager. Die Gemeinde habe jedoch die Menge der Besucher im Blick, setze Kontrolleure ein.
Zwar ist der kommende Donnerstag mit dem „Hemelvaartsdag“ auch jenseits der Grenze ein gesetzlicher Feiertag, allerdings hat das keine besonderen Auswirkungen auf die Ladenöffnungszeiten, während öffentliche Einrichtungen landesweit geschlossen sind. Eingekauft werden darf also trotzdem.
Die Niederlande sind jedoch weiter als Hochinzidenzgebiet eingestuft, machte Julia Affeldt, Sprecherin des Niedersächsische Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, auf Anfrage deutlich. „Die Rückkehr in den Landkreis Leer ist nur mit einem ärztlichen Zeugnis oder einem negativen Coronatest möglich“, betonte sie. Dieser Test darf nicht älter sein als 48 Stunden. – das gilt auch für den kleinen Grenzverkehr.
Der Landkreis Leer appellierte deshalb bereits am 1. Mai, dass die Einwohner weiterhin unnötige Kontakte vermeiden und nicht zum Bummeln oder Shoppen ins Nachbarland fahren sollten, stellte Sprecherin Annika Smit für die Kreisverwaltung fest. „Wird im Bereich der Grenze ein möglicher Verstoß gegen die Corona-Verordnung festgestellt, wird ein entsprechendes Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet“, betonte Sprecherin Smit. „Zwischen Polizei und Kreisverwaltung gibt es einen regelmäßigen Austausch“, sagte sie.
Die niedersächsische Landesregierung rät deshalb von Tagesausflügen in die benachbarten Niederlande ab. Die Inzidenzzahl liege dort vielerorts über 300. Dagegen seien die Perspektiven in Niedersachsen gut. In Kommunen unterhalb der 100er-Grenze werde deutlich mehr möglich sein, so der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover, Oliver Grimm. Das Risiko, sich in den Niederlanden mit Covid-19 zu infizieren, sei deutlich höher.
Grundsätzlich sei es so, dass Grenzgänger einen negativen Corona-Test brauchen, wenn sie für maximal 24 Stunden in die Niederlande wollen. Dieser wird von der Bundespolizei stichprobenartig kontrolliert, erklärte auch Ralf Löning, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Bad Bentheim. Bereits in der vergangenen Wochen hatte Innenminister Boris Pistorius (SPD) von Reisen ins Nachbarland abgeraten. Während des 1. Mai-Feiertages hatte Löning festgestellt, dass sich die Reisenden allgemein sehr einsichtig zeigen und die geltenden Regeln einhalten würden.
Im Grenzland ist auch die Polizei auf die aktuelle Corona-Situation eingestellt, sagte Polizeisprecherin Svenia Temmen auf Anfrage. Kontrollen würden durchgeführt, allerdings auch vor dem Hintergrund, dass Kontrollen durch das Schengenabkommen der Grenzverkehr eigentlich eher zurückhaltend stattfänden.
Der Autoclub ADAC indessen hält seine Mitglieder auf seiner Homepage täglich auf dem neuesten Stand, stellte Pressesprecher Nils Linge fest. „Es ist für alle Verbraucher schon verwirrend zu erkennen, wo sie hinfahren dürfen“, sagte Linge mit Blick auf die Grenzen zwischen den Bundesländern und zu Nachbarländern. „Man weiß nie, wird es teuer“, gab Sprecher Linge zu bedenken. „Sich informieren ist der einzige Schutz vor Überraschungen.“ Ob es Probleme gibt, wenn man im Nachbarland mit dem Fahrzeug liegenbleibt? „Das sehe ich nicht“, stellte Linge fest. „Es läuft alles genauso, wie sonst auch.“
