Ostfriesland -  – 

Die Woidboyz sind eigentlich in Bayern unterwegs. Jetzt ging es für sie nach Ostfriesland. Hatte das etwas von einer Auslandsreise?

Andi Weindl: Ja, total. Wegen Corona wollten wir Urlaub im eigenen Land machen. Ich war noch nie an der Nordsee und wollte dort unbedingt hin. Wir haben uns gedacht: Dann fahren wir ans andere Ende Deutschlands und schauen, was passiert. So, wie wir es in Bayern auch machen.

Was für ein Bild hatten Sie von Ostfriesland?

Weindl: Ich kannte Ostfriesland nicht, aber eine Kollegin. Sie warnte uns: Da werdet ihr euch schwertun. Die Leute sind verschlossen, es wird niemand mit euch sprechen. Da hatte ich tatsächlich ein bisschen Angst. Aber es hat sich nichts von dem bewahrheitet – weil die Leute von der ersten Sekunde an super waren.

Hintergrund

Die Woidboyz sind während des Studiums entstanden. Andreas „Andi“ Weindl, Bastian „Basti“ Kellermeier und Ulrich „Uli“ Nutz haben gemeinsam Fernsehsendungen parodiert. Sie haben ihre Filme auf YouTube gestellt und wurden dort vom Bayerischen Rundfunk (BR) entdeckt. Erst drehten sie Filme für andere Sendungen, jetzt haben die Männer ihre eigene: die „Woidboyz on the road“.

Mittlerweile gibt es 110 Folgen „Woidboyz on the road“. Dafür reisen die drei durch Bayern und treffen Menschen.

In Ostfriesland wurden fünf Folgen gedreht. Die Woidboyz waren unter anderem in Esens, Neuharlingersiel, auf Langoog und Spiekeroog. Die Folgen sind in der Mediathek des BR unter folgendem Link zu finden:

Sie gehen mit der Kamera auf die Menschen zu, sind selbstbewusst und manchmal frech. Das kommt bei den Ostfriesen an?

Weindl: Wir sind immer sehr geradeaus und auch ein bisschen provokativ. Aber die Leute haben das direkt zurückgegeben. Wir sind sofort in ein lustiges Gespräch, in einen Schnack, wie man bei euch sagt, gekommen. Da sind ganz tolle Situationen entstanden. Das war immer so – egal, wen wir gesprochen haben.

Wie würden Sie die Ostfriesen beschreiben?

Weindl: Die Ostfriesen sind sehr, sehr offen und ehrlich. Die haben auch gesagt, wenn sie überhaupt keinen Bock auf uns hatten. Sie sind auch sehr lustig. Wir haben uns bei ihnen sofort willkommen und aufgenommen gefühlt.

Sie haben auch den Ostfriesensport kennengelernt. Das Boßeln klang für Sie eher nach einem Scherz als nach einer Sportart. Ist es bei diesem Urteil geblieben?

Weindl: Das Wort Boßeln hörte sich langweilig und nach Altherrensport an – so wie Boule. Da hatten wir überhaupt keine Lust drauf. Und dann haben wir geboßelt und es war wirklich toll.

Was war denn das Tolle am Boßeln?

Weindl: Ich war ganz gut und hatte Erfolg (lacht). Ich war voll drin und es ist sofort ein Wettkampfgedanke aufgekommen. Man spielt draußen in der Natur, auf irgendeiner Straße, zusammen mit netten, coolen Leuten. Ich wäre gerne bei einem Ligaspiel dabei gewesen, das haben wir leider nicht geschafft.

Sie haben zum Abschied eine Boßelkugel geschenkt bekommen. Gibt es bald in Bayern den KBV Woidboyz?

Weindl (lacht): Das wäre auf jeden Fall eine Möglichkeit. Die Kugel liegt noch bei uns im Büro. Wenn das Wetter und Corona es zulassen, wollen wir nächstes Jahr im Umkreis von München ein Boßelturnier starten.

Was könnte man neben dem Boßeln noch gut nach Bayern exportieren?

Weindl: Wir haben in Ostfriesland ein tolles Getränk entdeckt: Sanddorn Spritz. Das war unser Getränk der Staffel. Das haben wir schon importiert. Wir würden auch gerne die Offenheit der Ostfriesen importieren. Ich habe in einer ländlichen Gegend noch nie so viele offene Leute gesehen wie bei euch.

Apropos offene Leute. Wie viel ist in Ihren Filmen geplant und wie viel spontan?

Weindl: Wir planen eigentlich nichts. Wir schauen, dass wir alles spontan machen. 90 Prozent sind spontan. Denn wenn sowohl wir als auch die Leute nicht wissen, was passiert, werden die Gespräche echter, authentischer und einfach besser. Wir wollen die Sachen vor Ort entstehen lassen und das funktioniert ganz gut.

Zur Person

Andreas „Andi“ Weindl (38) ist gern unterwegs: Ob ganz in Ruhe mit seinem Campingbus zum Gleitschirmfliegen oder weniger ruhig mit den Woidboyz-Kollegen. Weindl ist neugierig und weiß, dass er von den Menschen, denen er unterwegs begegnet, unfassbar viel lernen kann: In Krisensituationen nicht den Humor zu verlieren zum Beispiel. Weindl hat Medientechnik studiert und lebt in Deggendorf.

Im Mittelpunkt Ihrer Filme stehen die Menschen. In Ostfriesland sind das erstaunlich viele junge, die ihre Heimat wiederentdeckt haben...

Weindl: Es sind Leute, die in der Region aufgewachsen sind und dann in die Stadt oder ins Ausland gegangen sind. Die haben wirklich Bock drauf, wieder zurück in ihre alte Heimat zu gehen und dort etwas aufzubauen. Das haben wir in jeder Ortschaft gesehen, dass man gerne wieder zurück in die Heimat geht. Das war cool. Das sieht man bei uns nämlich ganz selten.

Warum ist das in Ostfriesland so?

Weindl: Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, dass es an den Ostfriesen liegt, dass man gerne wieder zu ihnen zurückkehrt. Bei uns im Bayern gibt es ländliche Regionen mit starker Abwanderung. Die Regionen werden immer älter und sterben irgendwann aus. Das war bei euch nicht so. Es gibt zum einen junge Leute, die da bleiben und sagen: Mir gefällt es hier, ich habe hier alles, was ich brauche und muss nicht in die Großstadt. Zum anderen gibt es diejenigen, die zurückkehren. Beides scheint gut zu harmonieren.

Das Fazit der Staffel fällt eindeutig aus. Am Ende heißt es „Ostfriesland ist einfach geil“. Wird es für die Woidboyz eine Rückkehr in den Norden geben?

Weindl: Privat auf jeden Fall. Beruflich kommt es auf den Sender an. Je nachdem, was die sagen, wenn wir nächstes Jahr wieder nach Ostfriesland wollen. Das könnte Schwierigkeiten geben. Mir geht es bei unseren Touren immer um die Menschen, die wir kennenlernen. Das war in Ostfriesland wirklich fein. Das waren durchweg tolle Menschen. In solche Regionen fährt man natürlich gerne wieder. Aber landschaftlich ist es auch sehr schön bei euch.

In einem Film heißt es, dass Bayern und Ostfriesen beides spezielle Völkchen sind. Warum?

Weindl: Ja, es sind spezielle Völkchen, die aber gut miteinander harmonieren. Ich glaube, dass wir eine ähnliche Mentalität haben. Die Bayern mit dem blöd daherreden und die Ostfriesen mit ihrem Schnacken. Wenn man sie öfter aufeinander loslassen würde, könnte etwas sehr Gutes entstehen.

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Anke Laumann
Anke Laumann Regionalleitung Ostfriesland / Anzeiger für Harlingerland / Jeverland-Bote