Leer/Emden/Delmenhorst - Am Knotenbahnhof in Leer dürfte es Bahnreisenden entgegenkommen, dass dort ein „stressabbauender Eisenbahner“ arbeitet. So sieht es zumindest ein Senior aus Leer. Der 83-Jährige hat deshalb den Service-Mitarbeiter Heinz-Wilhelm Korte für den Wettbewerb „Eisenbahner mit Herz“ vorgeschlagen. „Er ist die hilfreiche Seele auf allen Bahnsteigen“, schrieb der Einsender an die Deutsche Bahn. „Dabei zeigt er sich technisch gewandt und kompetent, gegenüber uns Eiligen und Drängenden beruhigend fröhlich und freundlich, also stressabbauend.“
Das Schreiben begeisterte eine Fachjury, die daraufhin Heinz-Wilhelm Korte zum „Eisenbahner mit Herz“ kürte. Und was sagt der amtierende Landessieger dazu? „Mir war es fast schon ein bisschen peinlich“, gesteht der gebürtige Emsländer und schmunzelt. Immerhin seien auch die Kollegen mit Herz bei der Sache. Korte ist alter und neuer Landessieger. Er trägt den Titel schon zum dritten Mal in Folge.
Großes Herz schon oft unter Beweis gestellt
Dass der 63-Jährige nicht nur Dienst nach Vorschrift leistet, hat er bereits in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellt. Einmal verletzte sich eine Reisende auf dem Weg zum Bahnhof bei einem Autounfall. Weil sie dabei auch noch ihre Brille verlor, wandte sie sich an Korte. Der organisierte nicht nur den Kauf der richtigen Fahrkarte, sondern schenkte der Frau gleich seine eigene Lesebrille. „Das war keine große Sache. Die lag da sowieso rum“, winkt Korte ab und lacht. Ganz so selbstverständlich fand die Reisende die Aktion wohl nicht. Sie schlug den Service-Mitarbeiter im vergangenen Jahr für den Preis vor.
Ein anderes Mal stürzte die Begleiterin eines Rollstuhlfahrers schwer und wurde ins Krankenhaus gebracht. Ihr Mann im Rollstuhl war dadurch plötzlich auf sich allein gestellt, er konnte sich nicht artikulieren. Also beschloss Korte kurzerhand, den Rollstuhl selbst zu Fuß ins Krankenhaus zu schieben. Ein kurzes Gespräch mit seinem Vorgesetzten später machte er sich auf den Weg durch die Stadt. Für sein beherztes Eingreifen bedankten sich später die Töchter des Ehepaares.
Nicht nur durch seine Auszeichnungen ist Korte inzwischen bekannt. Für viele gehört er einfach zu den Bahnhöfen in Leer, Emden und Delmenhorst dazu. Man kennt sich, für ein kurzes Gespräch hat Korte eigentlich immer Zeit. „Die Arbeit mit Menschen macht mir am meisten Spaß“, sagt Korte. Dann eilt er für einen Moment davon, um ein paar Reisenden beim Einstieg zu helfen.
Zwischen Kleinstadt und Knotenpunkt
In seinen fast 50 Jahren bei der Bahn hat Korte viele Bereiche gesehen. Nachdem er als Schrankenposten, im Rangierdienst oder im Stellwerk gearbeitet hat, ist er vor zehn Jahren im Kundenservice gelandet. „Hier gefällt es mir persönlich am Besten“, sagt er. Seine Leidenschaft für den Job habe jedenfalls nicht nachgelassen, seit er sich im Jahr 1972 auf den Rat seiner Mutter hin beworben hat. „Da wäre ich gut aufgehoben, meinte meine Mutter. Und auf Muttern soll man ja bekanntlich hören“, sagt Korte und lacht.
Er wechselt auf Platt einige Worte mit dem Zugführer, der gerade Feierabend macht. Dann hält er inne, um ein paar Fragen von Reisenden zu beantworten. Den Fahrplan in Leer kennt er bis auf die Sekunde auswendig. Überhaupt arbeite er gerne dort. In Leer treffe die Geschäftigkeit eines Knotenbahnhofs auf den Charme einer kleineren Stadt, erklärt Korte.
Die Ruhe selbst
In den vergangenen zehn Jahren sei es am Bahnhof vielleicht ein wenig hektischer geworden, überlegt Korte. „Aber so im Großen und Ganzen geht es in Leer entspannt zu.“ Zumindest in den Augen des Einsenders trägt der Service-Mitarbeiter selbst einen großen Teil dazu bei. „Der Herr Korte macht das mit der Ruhe selbst“, schreibt der 83-Jährige. Er ist überzeugt: Nachdem Heinz-Wilhelm Korte in den vergangenen Jahren für sein beherztes Eingreifen ausgezeichnet wurde, ist es nun an der Zeit, ihm einfach für seine freundliche und hilfsbereite Art zu danken. „Für Leer ist das ein Glücksfall“, sagt er.
