Emden - Kein Schiff wird bis heute Nacht um 24 Uhr die beiden Emder Seeschleusen passieren können, nicht die Große Seeschleuse und auch nicht die Nesserlander Schleuse. Grund dafür ist ein 48-Stunden-Warnstreik der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, in dessen Mittelpunkt die Schleusensperrung steht. Verdi macht damit seit Mittwoch Druck auf die Arbeitgeberseite, die nach Meinung der Arbeitnehmervertreter die Tarifverhandlungen blockiert. Es ist der zweite Warnstreik in Ostfriesland innerhalb von wenigen Wochen.

Eine knappe Woche vor dem jetzt laufenden Streik hatte Verdi den Hafenbetreiber Niedersachsen Ports (Nports) informiert. Der setzte die Hafenfirmen in Kenntnis, die sich auf die Schleusensperrung einstellen und ihre Kunden kontaktieren konnten. Darüber hinaus gilt in solchen Fällen eine Notdienstvereinbarung, wie Nports-Sprecherin Dörte Schmitz auf Nachfrage sagte. Diese betrifft die Hafenaufsicht/ Gefahrenabwehr, eventuelle Sturmfluteinsätze und die Energieversorgung.

Viele Schiffe draußen auf Warteposition seien aufgrund der frühzeitigen Information nicht zu erwarten, lautete gestern die Einschätzung von Gewerkschaftssekretär Jürgen Jakobs im Gespräch mit dieser Zeitung. Verdi hatte die Demos für Mittwochvormittag coronabedingt zweigeteilt. 100 Leute gemeinsam wären zu viele gewesen, sagte Jakobs. Auch die ursprüngliche Idee, auf dem Neuen Markt gemeinsam Flagge zu zeigen, wurde verworfen. So trafen sich zwei getrennte Gruppen auf dem Hafentorplatz am Ratsdelft, einmal über 60 Beschäftigte und einmal 25 (unterstützt von vier Kolleginnen und Kollegen der Polizeigewerkschaft).

Jakobs erklärte dort, man erwarte in der nächsten Gesprächsrunde am Wochenende ein „verhandlungsfähiges Angebot“. „Wenn nicht, wird es weitere Streiks geben.“ Verdi fordert fünf Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), vertreten durch den niedersächsischen Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU), hatte die Forderungen als unrealistisch zurückgewiesen.

Betroffen vom Warnstreik war bis Mittwochabend auch die Jann-Berghaus-Brücke in Leer, die von 6 bis 23 Uhr hochgeklappt bleiben sollte. Der Autoverkehr zwischen dem Rheiderland und der Leeraner Seite wurde über die Autobahn umgeleitet. Die Polizei sprach von leichten Behinderungen im morgendlichen Berufsverkehr. Das große Chaos sei ausgeblieben. Der Schiffsverkehr konnte die Brücke passieren. Auch in Norden demonstrierten rund 30 Nports-Beschäftigte. Landesbedienstete der Auricher Straßenmeisterei haben ebenfalls die Arbeit niedergelegt.

Axel Milkert
Axel Milkert Emder Zeitung (Leitung)