Emden - Was zu Beginn der Corona-Krise als Schreckensszenario in den Schubladen des Jobcenters in Emden lag, ist auch sieben Monate nach Ausbruch des Virus nicht eingetreten: Die Zahl der Hartz IV-Empfänger ist in der Stadt nicht, wie befürchtet, in die Höhe geschossen, sondern bewegt sich weiterhin auf dem Niveau der Vorjahre. Möglicherweise wird am Ende des Jahres - trotz der wegen der Pandemie äußerst angespannten wirtschaftlichen Lage - nicht einmal der Höchstwert aus dem Jahr 2017 erreicht. Das geht aus einer Statistik des Jobcenters hervor. Danach waren im Juni dieses Jahres 4063 Menschen im Arbeitslosengeld II-Bezug. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor. Zu Beginn der Krise hatte man bereits mit über 1000 Betroffenen mehr gerechnet - und sich darauf entsprechend vorbereitet.
Lesen Sie auch: 14 100 Ostfriesen bekommen wenig Geld trotz Vollzeit
„Man kann sagen, dass die verschiedenen Schutzschirme für die Wirtschaft offenbar gegriffen haben“, sagte der Geschäftsführer des Jobcenters, Bernd Leiß, jetzt gegenüber unserer Redaktion. Natürlich sei auch die aktuelle Zahl vergleichsweise hoch, allerdings für die Stadt Emden der Wert, der auch in normalen Zeiten nur schwer zu unterschreiten ist. Die Prognosen für die kommenden drei Monate gehen sogar davon aus, dass die Zahl der Hartz IV-Empfänger noch unter die Marke von 4000 rutschen könnte - dafür dürfte es dann aber keinen zweiten Lockdown geben.
In einem anderen Bereich hat der Corona-Virus dann aber doch schon negative Folgen gehabt: bei den sogenannten Aufstockern, Menschen also, die zwar berufstätig sind, deren Einkommen aber nicht für den Lebensunterhalt ausreicht und die somit auf Unterstützung des Jobcenters angewiesen sind. Ihre Zahl ist seit Anfang des Jahres von 947 auf zuletzt 824 zurückgegangen.
Was auf den ersten Blick positiv erscheint, weist aber aus Sicht von Jobcenter-Chef Leiß auf eine negative Entwicklung hin: „Viele Mini-Jobs sind in der Krise weggefallen.“ „Statt einer Arbeit nachzugehen, sind die Betroffenen nun allein auf die Unterstützung des Jobcenters angewiesen. Zuvor mussten sie zwar ihr Einkommen „aufstocken“ lassen, waren dem Arbeitsmarkt aber näher gerückt als ohne Mini-Job.
Dagegen war vor Corona die Zahl der Aufstocker vor allem ein Hinweis auf die schlechte Bezahlung in einigen Branchen. Menschen arbeiteten - teilweise sogar Vollzeit - für den Unterhalt reichte es nicht. Jetzt ist der Rückgang der Aufstocker vor allem ein Hinweis darauf, dass einfache Tätigkeiten während der wirtschaftlichen Krise besonders schnell wegfallen. Da gibt es oft nichts aufzustocken. Die Betroffenen fallen schlimmstenfalls wieder ganz in den Hartz IV-Bezug und rücken damit erneut ein Stück vom Arbeitsmarkt ab.
