Emden - Die Diskussion um das geplante Wohngebiet auf der Wybelsumer Dreiecksfläche ist in eine neue Phase eingetreten. Nachdem der Entwässerungsverband Ende Oktober im Gespräch mit dieser Zeitung von einer Bebauung des Areals abgeraten hatte, äußert sich jetzt der Investor. Betriebs- und Landwirt Dirk Meemken aus Cloppenburg – seine Familie steht hinter dem Projekt – kann nicht verstehen, warum ihm plötzlich Steine in den Weg gelegt werden. Seine Familie habe bereits über 50000 Euro investiert.
Er verspürt zunehmend Gegenwind für die Baupläne und fragt: „Warum wehren sich die Verwaltung und der Entwässerungsverband gegen die Umsetzung des Projekts?“ Dabei war das Vorhaben im Februar 2020 mit viel Vorschusslorbeeren gestartet. Oberbürgermeister Tim Kruithoff zeigte sich bei einem Ortstermin begeistert von der Idee, auf dem Gelände hinter dem Friedhof entlang der Rysumer Landstraße seniorengerechtes Wohnen und Wohnraum für Familien zu schaffen (mit Platz für einen neuen Kindergarten). Davon, dass es sich hierbei – zumindest nach Auffassung des 1. Entwässerungsverbandes – um ein risikobehaftetes Gebiet handelt, war damals nicht die Rede. Der Rat gab für den Bebauungsplan grünes Licht.
Bedenken für den Investor unverständlich
Der Verband befürchtet – wie berichtet -, dass das Regenwasser bei Extremwettereignissen nicht schnell genug abgeführt werden kann, sollte es hier zu einer weiteren Bodenversiegelung kommen. Obersielrichter Reinhard Behrends sieht unter Umständen sogar das alte Dorf östlich des Friedhofs gefährdet. Das Gelände wird über zwei Schöpfwerke (Odinga und Wybelsum) entwässert.
Für Dirk Meemken sind diese Bedenken völlig unverständlich. Er habe ein Umwelt-, Lärmschutz- und Bodengutachten, ferner eine fachtechnische Stellungnahme zur Entwässerungssituation eingeholt (diese liegt der Emder Zeitung vor). Letzteres belege, dass kein Zuwachs hinsichtlich des Wasserflusses in die örtlichen Vorfluter eintreten werde, schreibt Meemken. Zudem sollen im Zuge des Neubaugebiets Rückhaltungen geschaffen werden, die das Schöpfwerk entlasten würden, heißt es in der Stellungnahme des Investors weiter. Auch erschließe sich ihm nicht, warum das alte Dorf bei Starkregenereignissen aufgrund der neuen Bebauung „absaufen würde“. Schon jetzt seien „die Düker verschlammt oder versackt und die Gräben seit Jahren nicht geräumt“. Starkregen- und Hochwasserschutz könne so kaum funktionieren, findet Meemken.
Kritik an Durchlass, der ohne Funktion ist
Er hat sich auch mit Landwirt Hinrich Odinga in Verbindung gesetzt. Odinga war jahrelang Betreiber des gleichnamigen Schöpfwerks und kümmert sich heute noch ehrenamtlich um den Zustand der Durchlässe, wie er in einer Stellungnahme aus dem Juni 2021 betont. Darin verweist Odinga, der bei der Entwässerung kein Problem sieht, unter anderem auf den schlechten Zustand des Durchlasses am Körte-Meedeweg. Der Durchlass (200 Meter vor dem Schöpfwerk) habe keine Funktion mehr, weshalb das Wasser einen Umweg von zwei Kilometern bis zum Schöpfwerk nehmen müsse. Der Verband sehe sich dafür nicht in der Pflicht und verweise auf die Stadt Emden, sagt Odinga. Dirk Meemken nennt diesen Zustand „verwunderlich, da dem Verband die Daseinsvorsorge doch so wichtig ist“.
Der Investor führt ferner an, dass auf der benachbarten, tiefer liegenden ehemaligen Schöfelwiese eine Rückhaltung möglich sei. Es gebe genügend Lösungsansätze. Wenn das Gebiet so sensibel sei, dann müsste der Verband die geplanten Maßnahmen doch begrüßen, argumentiert Meemken. Ohnehin müssten die Schöpfwerke aufgrund des zu erwartenden höheren Wasseranfalls durch den Klimawandel ertüchtigt werden.
