Emden - Euphorie, bange Fragen, viel Arbeit: Anja (57) und Frank Schnorrenberg (58) haben sich mit der Eröffnung des Geschäftes „Sesam“ in der Brückstraße einen schon lange gehegten Wunsch erfüllt. Und sie sind auch ganz froh darüber, diesen Schritt gegangen zu sein. Aber der erneute Lockdown und dessen Verlängerung bringen auch Sorgen mit sich. „Am Ende wollen wir mit dem Geschäft natürlich unseren Lebensunterhalt verdienen“, sagte Frank Schnorrenberg. Haben die beiden Angst? „Nein, wir sind schon immer positiv und optimistisch gewesen“, so Anja Schnorrenberg.
Dabei schauen sie nicht gerade auf ein Jahr, in dem sie aus dem Vollen schöpfen konnten. Die Eröffnung Anfang April 2020 mussten sie verschieben, weil das Land gerade im ersten Lockdown war. Dann gab es die Lockerungen, Einkaufen mit Auflagen war möglich. „In den ersten drei Tagen hatten wir ganz viele Emder im Laden, die sich gerne an das alte Sesam zurückerinnern und schauen wollten, was wir jetzt so anbieten.“ Und was den beiden Geschäftsleuten sicherlich in die Karten spielte war, dass viele Menschen nicht ins Ausland in den Urlaub gefahren sind, sondern ihn in Deutschland verbrachten. „Die Stadt war eigentlich immer gut besucht und wir hatten viele Kunden.“
Weihnachtsgeschäft war mit dem Lockdown passé
Das ging eigentlich so bis zwei Tage vor dem erneuten Lockdown im November. Und der ist sogar nun bis erst einmal bis zum 31. Januar fortgesetzt worden. Gerade das Weihnachtsgeschäft, ein nicht zu unterschätzender Faktor in der Jahresbilanz, war passé. Beide nutzen die sozialen Medien, um mit ihren Kunden weiter im Kontakt zu bleiben. Es gibt sogar die Möglichkeit, etwas aus dem Laden zu ordern und dann in einem bestimmten Zeitfenster vor dem Laden abzuholen - andere Händler machen es ähnlich.
Dennoch bleibt trotz aller Euphorie und Optimismus auch ein dickes Fragezeichen bei den Schnorrenbergs zurück. „Wir sind für die Auflagen, hatten auch ein gutes Konzept für den Einkauf mit Einschränkungen, aber wir brauchen jetzt auch eine Perspektive“, sagte Frank Schnorrenberg. Beide hoffen, dass im Februar vielleicht wieder etwas möglich sein wird. Und wenn nicht? „Dann müssen wir wirklich von Tag zu Tag gucken, denn die Kosten laufen ja weiter, aber die Einnahmen nicht.“ Auch der Corona-Zuschuss nach dem ersten Lockdown hat zwar geholfen, aber nur ein wenig.
Unsicherheit herrscht vor
Also doch ein bisschen Frust? So würden sie es nicht ausdrücken, eher Unsicherheit. Sie seien von ihrem Konzept überzeugt und dass es funktioniert. Und sie sind wieder zurück nach Emden gekommen, weil ihrer Meinung nach hier die Lebensqualität sehr hoch ist. „Mit dem Fahrrad zur Arbeit, das zählt für uns dazu“, sagte Anja Schnorrenberg. Und deshalb hoffen die beiden, dass sie noch ganz lange mit dem Drahtesel zur Arbeit in die Brückstraße fahren können. „Wie schon gesagt, wir sind immer optimistisch.“
Das Sesam
„Sesam“ als Label wurde 1979 von einem Paar aus Nordhorn gegründet. Frank Schnorrenberg stieß 1983 zum Team. Beheimatet in der Neutorstraße (heute Bäckerei Rector) war das „Sesam“ für viele Emder die Anlaufstelle, wer beispielsweise eine Kleinigkeit suchte, so wie die allseits bekannten Leonardo-Gläser, die es anfangs nur bei „Sesam“ gab, gleiches gilt für die Edwin-Jeans. Anja Schnorrenberg war lange Jahre bei „Christians“ (Herren- und Damenmode) angestellt. Die drei Sesamläden in Emden, Leer und Aurich rentierten sich auf Dauer nicht, 1983 übernahmen die Schnorrenbergs nur das Geschäft in Aurich, dort zählten fortan auch viele Emder zur Stammkundschaft. 2017 war in Aurich Schluss, Anja und Frank Schnorrenberg arbeiteten danach zwei Jahre als Geschäftsführer des Großhandelladens „Diggers Garden“ in Wittingen (Landkreis Gifhorn). Den langgehegten Wunsch, gemeinsam in Emden einen Laden zu eröffnen, erfüllten sie sich im April letzten Jahres.
Das Geschäft „Sesam“ liegt in der Brückstraße rechts hinter dem Rathausbogen und bietet auf rund 70 Quadratmetern ausgesuchte Textilien und Feinkost, aber auch besonderes Geschirr und ein paar ausgefallene Accessoires (Taschen, Schuhe, Lampen). Auffallend sind die fünf großen Schaufenster des Ladens. „Was viele eher als Manko sehen, finde ich klasse. Ich kann in den Schaufenstern unsere Waren sehr gut präsentieren“, sagte Anja Schnorrenberg. Beide haben lange nach einem passenden Namen für ihr neues Geschäft in Emden gesucht, den Namen „Sesam“ hatten sie erst gar nicht im Blick. Mit Freunden überlegten sie dann in geselliger Runde. „Es gab Ideen, aber keine zündende“, so Frank Schnorrenberg. Schnell war in der Runde klar, dass das neue Geschäft eigentlich nur „ Sesam“ heißen kann. „Der Name ist in der Stadt so positiv besetzt, da haben wir nicht lange gezögert.“
