Emden - „Nichts. Es fällt mir nichts ein!“ – Die Antwort von Sam Bambouliak auf die Frage, ob in den beiden Corona-Lockdowns irgendetwas gut gelaufen ist, sagt alles. Der Emder, der das Fitnessstudio „Fitness World“ an der Faldernstraße betreibt, ist besorgt. Und verärgert. Was eigentlich zu vorsichtig ausgedrückt ist. Denn der 56-Jährige Sportunternehmer fürchtet um sein Lebenswerk.
Die möglicherweise bevorstehenden Lockerungen für seine Branche – auch am Wochenende war das alles noch nicht klar – können die Stimmung von Bambouliak nicht aufhellen: „Ich warte im Moment nur stumpf, dass die endlich auf die Idee kommen, uns wieder öffnen zu lassen.“
Viele Beschlüsse sind nicht mehr zu verstehen
Die – das sind die Bundesregierung und die Landesregierungen, die seit Monaten durch manche nicht verstehbare Entscheidung die eine Branche entlasten. Und gleichzeitig andere ignorieren – die umsatzstarke Fitness-Branche zum Beispiel. Dabei ist sie einer der Bereiche der Wirtschaft, die sich zwischen den beiden Lockdowns durch besondere Anstrengungen bei Hygiene und Abstand hervorgetan hatten. Begünstigt durch ihre oft großzügigen räumlichen Möglichkeiten. Vor allem aber durch einen seit Jahren branchenüblichen hohen Standard, was Sauberkeit und Hygiene angeht: Mit Schmuddel-Gyms ist schon lange kein Geld mehr zu verdienen. Mit Leichtigkeit hätten viele der Studios auch scharfe Auflagen erfüllen können – aber sie durften nicht. Friseure schon.
Sam Bambouliak erschüttern Beschlüsse wie diese: „Ich stehe hinter den allermeisten Maßnahmen, die uns vor Corona schützen sollen. Aber mittlerweile sind viele Entscheidungen einfach nicht mehr zu verstehen.“
Sollten sich in nächster Zeit Öffnungsmöglichkeiten abzeichnen, ist das natürlich gut für die Fitnessbranche.
Die wichtigsten Monate blieben ungenutzt
Warum sich die Begeisterung trotzdem in Grenzen hält, erklärt der Emder so: „Von Januar bis März wird die Grundlage für das ganze Jahr geschaffen. In dieser Zeit schließen wir viele neue Verträge ab.“ Dabei geht es vor allem auch um den Ersatz für die normalen Abgänge – zum Beispiel Kunden, die Emden verlassen.
Die Stammkundschaft ist Bambouliak bislang fast komplett treu geblieben. Allerdings hat der Fitness-Unternehmer dafür auch viel getan. So zieht er in den Monaten, in denen nicht trainiert werden kann, keine Beiträge ein.
Die Hilfen für November und Dezember – 75 Prozent der Monatsumsätze im Jahr 2019 – kamen mit Verspätung, aber sie kamen. Immerhin. Für die folgenden Monate gibt es nur noch die Überbrückungshilfe III. Sie deckt einen Teil der Fixkosten, mehr nicht
Durchhalten wird er vorerst, sagt der Emder. Aber: „Jeder Monat Durchhalten vergrößert die Probleme weiter. Wenn es nicht bald wieder normal läuft, gerät alles in Gefahr, was ich mir aufgebaut habe!“
