Emden - Wirklich schön sehen die Häuser an der Ecke Hühnerkäuferstraße/Doelestraße nicht mehr aus. Kein Wunder, dass sie in der Wirtschaftswunder-Zeit einem modernen Wohnhaus weichen. Die Aufnahme von 1958 dokumentiert, in welch beengten Verhältnissen viele Menschen in Groß-Faldern gelebt haben. Im Eckhaus, Hühnerkäuferstraße 16, wohnt Klempner Engelke Piehn (1896-1954). Ein bekannter Mann im Viertel.

Der Kommunist sitzt in der Nazi-Zeit aus politischen Gründen in Haft. Nach seiner Entlassung entkommt er nur durch Zufall dem Tod: Ausnahmsweise geht er in der Nacht auf den 29. Dezember 1941 mit seiner Familie in den Bunker und wartet den Überflug der Bomber nicht bei der kleinen Wall-Treppe vor seinem Haus ab. Anders seine beiden Kumpel, Jan Ammersken und Meinhard á Tellinghusen, die draußen auf der Treppe bleiben.

Doch dieses Mal überfliegen die Bomber Emden nicht, sondern werfen Bomben ab und die Männer sterben. Das Haus der Piehns wird schwer beschädigt. Die Familie zieht in die Wohnung eines deportierten jüdischen Schlachters in der Daalerstraße. Am 6. September 1944 arbeitet Engelke Piehn an der Kesselschleuse und erlebt, wie Bomber-Geschwader auf Höhe der Neuen Kirche ihre Bomben-Luken öffnen und sein Groß-Faldern in Schutt und Asche legen.