Emden - Bald geht es wieder einigen Bäumen auf dem Wall sozusagen an die Krone - und das in nicht ganz unerheblichem Ausmaß: Gleich 79 Bäume müssen gestutzt oder ausgedünnt werden, manche müssen sogar gefällt werden. Sie alle sind bei den jüngsten Inspektionen aufgefallen. Eine entsprechende Ausschreibung für die Arbeiten hat das Grünflächenamt der Stadt nun herausgegeben.

Zur Person

Jannes Utecht ist 39 Jahre alt und seit 2014 Sachgebietsleiter Grünflächen beim Bau- und Entsorgungsbetrieb Emden (BEE). Seine eigentliche Berufsbezeichnung ist Arborist. Arboristik ist ein Bachelorstudiengang in dem interdisziplinäres Wissen über Stadt- und Straßenbäume vermittelt wird. Dadurch qualifiziert der Studiengang für alle Berufszweige, die sich mit Bäumen im besiedelten Raum beschäftigen.

Aber wer entscheidet darüber, wie funktioniert die Baumpflege überhaupt? Wir haben dazu Jannes Utecht befragt, Sachgebietsleiter Grünflächen beim Bau- und Entsorgungsbetrieb Emden (BEE).

Emder Zeitung: Ist die geplante Baumpflegemaßnahme eine größere Geschichte oder das jährliche Ritual auf dem Wall?

Jannes Utecht: Wie in jedem Jahr müssen die während der ausgeführten Baumkontrolle festgestellten Mängel und Verkehrsunsicherheiten beseitigt werden.

Wie viele Bäume sind denn auf dem Wall kartiert?

Auf dem Stadtwall sind circa 2600 Bäume kartiert und werden regelmäßig auf ihre Verkehrssicherheit überprüft.

Was heißt regelmäßig?

Im Optimalfall finden Baumkontrollen in zwei Stadien statt: Zum einen wird der Baum im belaubten Zustand und zum anderen im nicht belaubten Zustand kontrolliert. Umso geschädigter ein Baum eingestuft wird - zum Beispiel starke Astbruchstellen, Pilzbefall, viel Totholz, rückgängige Vitalität oder Ähnliches - desto kürzer wird hier auch das Kontrollintervall.

So wird deutlich, dass manche Bäume sogar ganz gefällt werden müssen?

Ja. Der Baum von Bild 2 - eine Gemeine Esche - ist zuletzt im November kontrolliert worden. Da wurde der Baum durch die beauftragten Baumkontrolleure zwar als in seiner Vitalität stagnierend beziehungsweise abnehmend, aber noch als verkehrssicher eingestuft. Eine erneute Kontrolle war für diesen Monat vorgesehen. Nach der erneuten Begutachtung der Bäume sind die Mitarbeiter nun zu dem Schluss gekommen, dass die Bäume leider abgestorben sind. Somit müssen sie zeitnah ebenfalls aus dem Bestand entfernt werden.

In der Ausschreibung ist von einem 16 Meter hohen „Acer pseudoplatanus“ und einem 24 Meter hohen „Robinia pseudoacacia“ die Rede, die gefällt werden müssen. Dazu kommt dann noch die „Gemeine Esche“? Es sind also drei Bäume, die gefällt werden?

Nein, es sind mittlerweile vier Bäume. Ein „Acer pseudoplatanus“ (Berg-Ahorn), eine „Robinia pseudoacacia“ (Gewöhnliche Robine), eine „Fraxinus excelsior“ (Gemeine Esche) und eine Gleditschie.

Wo stehen die Bäume genau?

Die zu fällenden Bäume stehen auf dem Gelben-Mühlen-Zwinger. Durch die Kontrolle wurde festgestellt, dass die Stand- und Bruchsicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Somit ist die Stadt Emden gezwungen, die Verkehrssicherheit wiederherzustellen und die Bäume aus dem Bestand zu entfernen.

Offenbar geht es bei den anderen betroffenen Bäumen immer um Kroneneinkürzungen und/oder Totholzbeseitigung.

Ja, das stimmt.

Welche Bereiche auf dem Wall werden in Angriff genommen?

Es sind die drei Zwinger Gelber, Roter und Weißer-Mühlen-Zwinger.

Der Auftrag für die Baumpflegearbeiten soll zum 19. Juli vergeben und dann gleich begonnen werden. Kein zufälliges Datum zum Ende der Brut- und Setzzeit, oder?

Da es sich um eine gärtnerisch genutzte Fläche handelt, können hier das ganz Jahr über Baumpflegearbeiten zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit ausgeführt werden.

Wie lange werden die Arbeiten dauern?

Je nach Wetterlage und anderen Eventualitäten kann die Ausführung der Arbeiten etwa zwei bis drei Wochen andauern.