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Emder erzählen Wie ein einziger Satz zum Erfolg führte

Iris Hellmich
Das Arbeitsumfeld des Erzählers während seiner Lehrzeit: Blick in den Hafen der 1960er Jahre.

Das Arbeitsumfeld des Erzählers während seiner Lehrzeit: Blick in den Hafen der 1960er Jahre.

Emden - Aus meiner Lehrzeit fallen mir immer wieder Episoden ein, die ich gerne teile, wie die folgende skurrile Geschichte: Es geht um ein Erlebnis aus meiner Zeit als Lehrling bei der Emder Schiffsausrüstung GmbH (ESG). Und eigentlich ist die Rhein-Ems-Zeitung, die heutige Emder Zeitung, nicht ganz „unschuldig“ an dieser Geschichte.

Am 13. April 1962 muss es gewesen sein, als ein kleiner Artikel am linken Rand einer der inneren Seiten in der Zeitung stand. Darin hieß es, dass der damalige Ministerpräsident der Sowjetunion, Nikita Chruschtschow, übermorgen, also am 15. April, Geburtstag habe. Er wurde 1894 in dem Dorf Kalinovka geboren und würde 68 Jahre alt werden. Ich interessiere mich eigentlich nicht sonderlich für Politik, doch ich las durch Zufall diesen kurzen Bericht, nicht ahnend, dass er für mich in kurzer Zeit noch sehr wichtig werden würde.

Zwei Tage später, an Chruschtschows Geburtstag: Ich war bei der Arbeit, als ich die Aufforderung bekam, mit einem Zöllner und einem Lkw-Fahrer zum Öl-Hafen zu fahren, um dort auf einen russischen Tanker zu gehen. Wir sollten dort einige wenige Lebensmittel abgeben. Unser Lagermeister rief mir noch hinterher: „Und bring‘ einen Auftrag mit…!“

Ein Gläschen in Ehren

Während der ganzen Fahrt habe ich überlegt, wie ich an einen Auftrag kommen könnte. Normalerweise war das die Aufgabe unseres „Clerk“. Das ist der Mann, der sonst immer mit den Kapitänen und Offizieren verhandelte, wenn es darum ging, Aufträge einzuholen. Es war damals Herr Behre.

Wir drei - Zöllner, LKW-Fahrer und ich - saßen nach der Ankunft bei dem russischen Tanker gemütlich mit dem Ersten Offizier in dessen Salon, der sehr gut eingerichtet war. Wie es damals in der Seefahrt üblich war, bekamen Gäste zunächst einen Willkommensdrink. In diesem Fall war es ein Glas „Napoleon Brandy“. Ich erinnere mich deshalb so genau daran, weil ich seit dem häuslichen Frühstück, morgens vor dem Weg zur Arbeit, nichts mehr im Magen hatte, und dieser Schnaps seine „Umdrehungen“ hatte mit „nur“ 78 Prozent, aber teuflisch gut schmeckte. Wie ein Likör. Ich schwärme heute noch von diesem Zeug. Später habe ich versucht, in einem Spirituosen-Geschäft in Hannover diesen Schnaps zu bekommen. Es war mir nicht möglich. Ich habe die Sorte nicht erwerben können.

Eine Eingebung zur richtigen Zeit

Zurück zum Willkommensglas. Es war wie eine Eingebung. Ich musste wieder an den kurzen Artikel in der Zeitung von vor zwei Tagen denken und sagte in unsere Gesprächsrunde: „The first drink I take for Mister Chrustschew‘s birthday“. Was dann kam, war für mich der Hammer. Der Erste Offizier bekam plötzlich große Augen. Und dann konnte er sich nicht zurückhalten, in Englisch zu fragen - ich bringe es mal übersetzt ins Deutsche: „Woher weißt Du…?“. Natürlich sagte ich ihm nicht, dass ich davon durch Zufall zwei Tage zuvor in der Zeitung gelesen hatte. Stattdessen antwortete ich ihm auf Englisch: „I have to know these days...“. Mit anderen Worten: So etwas hat man zu wissen. Die Unterhaltung lief’ von nun an um einiges gelöster. Und den Auftrag habe ich wider Erwarten leichter „in die Tasche“ bekommen, als ich es mir erträumt hatte. Wie gesagt: Ich interessiere mich nicht sonderlich für Politik.

Wir fragen wieder: Wer erinnert sich an Begebenheiten früher? Melden Sie sich bei uns. Unsere Mitarbeiterin Iris Hellmich, die diese Serie betreut, ist über Tel: 8900401 oder per E-Mail an emdererzaehlen@emderzeitung.de zu erreichen.

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