Emden - Punktlandung! Besser kann man nicht zusammenfassen, was dem norwegischen Regisseur Eirik Svensson aus Oslo beim Emder Filmfest widerfahren ist. Kurz vor knapp in die Johannes a Lasco Bibliothek hineingeschneit, kaum Zeit zum Umgucken und - schwupps! - schon als Hauptgewinner des mit 10 000 Euro dotierten Bernhard-Wicki-Preises auf der Bühne - schier überwältigt vom Applaus und Jubel im Publikum. Dem Happy End vorausgegangen war allerdings eine ziemlich abenteuerliche Odyssee.
Denn als der 38-Jährige den Anruf erhielt, dass es sich lohnen würde, noch eben schnell zur Preisgala in den äußersten Nordwesten Deutschlands zu hechten, weilte der mit seiner Freundin gerade bei einer Hochzeit im (fast) äußersten Südwesten Norwegens: auf der Insel Idse bei Stavanger. „Es war 12 oder 1 Uhr in der Nacht, als der Anruf kam“, erzählte er unserer Zeitung. Und dann ging es hopplahopp: Sachen gepackt, die Freundin geschnappt, mit dem Auto übers Wasser (in Norwegen geht das) nach Stavanger. Unterwegs in einer Polizeistation noch ein Ersatz-Reisedokument klargemacht, weil Svenssons Pass zu Hause in Oslo lag, dann von Stavanger mit dem Flugzeug nach Oslo, von Oslo nach Hamburg und von dort mit dem „Filmfest-Autoshuttle“ kurz ins Hotel und dann zur Gala.
Dort nahm er den Preis sichtlich bewegt in Empfang. Sehr emotional sei auch der Dreh seines Siegerfilms „Betrayed“ gewesen, bekannte er. Dieser handelt von einer norwegischen jüdischen Familie im Zweiten Weltkrieg, deren Schicksal von norwegischen Kollaborateuren der deutschen Besatzer besiegelt wird. Eine wahre Geschichte. „Die Familie hat nur hundert Meter von der Adresse entfernt gewohnt, wo ich heute lebe“, sagte Svensson. Für seinen Film so populäre und vielbeschäftigte Schauspieler wie Jakob Oftebro und Nicolai Cleve Broch zu gewinnen (in Deutschland bekannt durch TV-Serien wie „Hamilton“ oder „Lifjord - der Freispruch“), sei ein Glücksfall gewesen. Das habe geholfen, dem Film mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen,
