Emden - In Emden ist eine neue Bestattungsmöglichkeit geschaffen worden. Der Friedhof Tholenswehr bietet nun Platz für 135 Baumbestattungen. Damit kommt die Stadt einer großen Nachfrage zu naturnahen Bestattungs-Alternativen nach. Schon Ende Juli wurde die erste Urne auf dem 650 Quadratmeter großen „Linden-Begräbnishain Tholenswehr“, so der offizielle Name, beigesetzt.

Im vergangenen Jahr hat die FDP die Stadt Emden nach einer Möglichkeit von Wald-Begräbnissen angefragt. Schon da wurde deutlich, dass die Stadtverwaltung einer naturnahen Form von Bestattungen offen gegenübersteht. Auch der ehemalige Stadtbaurat, Andreas Docter, setzte sich im Rat für dieses Vorhaben ein. Im Frühjahr gab es dann den Startschuss für den Emder Bau- und Entsorgungsbetrieb (BEE) als Betreiber des städtischen Friedhofs, mit der Umsetzung der Baumgrabstätte zu beginnen.

Es bildete sich Anfang des Jahres eine Arbeitsgruppe aus Anna Macknow, Verwaltungsfachangestellte des BEE, Frank Rogga, kaufmännischer Leiter des BEE und Friedhofsleiter Gustav Kalms. Geplant wurde, eine insgesamt 650 Quadratmeter große Fläche mit neun Linden, einer Buche, einer Esche und einem weiteren Baum, der nicht als Grabstätte genutzt werden kann, umzugestalten. Dem BEE sei es wichtig gewesen, die Ressourcen, die vorhanden sind, zu nutzen, erklärte Rogga. Deshalb sei es umso erfreulicher gewesen, auf dem eigenen Friedhof fündig zu werden. Zwar sei die Umsetzung einer Waldgrabstätte, wie zum Beispiel beim Friedwald in Hamburg geschehen, aufgrund der Vegetation in Emden nicht möglich. Dennoch habe die Fläche auf dem Tholenswehrster Friedhof mit ihren rund 90 Jahre alten Bäumen starken Waldcharakter, erklärte Stadtsprecher Eduard Dinkela.

Ursprünglich war auch in Erwägung gezogen worden, eine Fläche im Emder Stadtwald für ein naturnahes Bestattungsangebot zu nutzen. Da dort der Baumbewuchs zu dicht und das Areal auch insgesamt zu nass ist, stellte sich der Stadtwald letztlich aber als ungeeignet heraus (wir berichteten).

Das Ziel der Stadt war es mit dem Linden-Begräbnishain eine würdige und naturnahe Form von teilanonymen Begräbnissen zu schaffen. Er soll ein Ort der Begegnung sein. „Man kann den Friedhof Tholenswehr ja fast als Stadtpark bezeichnen“, sagte Dinkela. Für Rogga ist der Friedhof zu einem lebendigen Ort geworden. „Kinder fahren morgens mit dem Fahrrad über den Friedhof zur Schule“, sagte er. Dies liege nicht zuletzt daran, dass sich auf dem Friedhof in den letzten Jahren sehr viel getan hat.

Für die Zukunft plant der BEE bereits, die neu geschaffene Beisetzungsfläche zu erweitern. Der zwölf Hektar große Friedhof biete dafür die entsprechenden Ressourcen, wie Dinkela betonte. Ob die Stadt die nötigen finanziellen Mittel bereitstellen wird, darüber müsse ab Herbst der Rat entscheiden.

Christin Hufer
Christin Hufer Redaktion Wildeshausen