Emden - Was haben die Messungen ergeben? Diese Frage beschäftigte am Tag nach den Bodenuntersuchungen am älteren der beiden jüdischen Friedhöfe Emdens den zuständigen Archäologen – aber auch die Stadt Emden: Vom Ergebnis hängt ab, wie die Sanierung des Treckfahrtsweges fortgesetzt werden kann. Dr. Jan F. Kegler vom archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft: „Man kann dazu noch keine Aussage machen.“
Zumindest einen ganz eindeutigen großen Fund, der schon in den aufgezeichneten Rohdaten zu erkennen gewesen wäre, scheint es nicht gegeben zu haben. Kegler: „Ich hätte mir einen Anruf mit einer solchen Mitteilung natürlich gewünscht, aber den gab es nicht.“ Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sich im Boden nichts befindet, das mit dem möglicherweise schon ab 1450 genutzten Friedhof zu tun hat. Archäologe Kegler: „Selbst wenn gar nichts zu sehen ist, heißt das nicht, dass nichts da ist.“ Grund dafür sind Störungen verschiedenster Art, die trotz des Einsatzes modernster Technik Messergebnisse verfälschen können. Um so wichtiger ist eine penible Verarbeitung der gesammelten Daten, deren Endergebnis wahrscheinlich gegen Ende dieses Monates vorgelegt wird. Eine erste Auswertung erwartet die Ostfriesische Landschaft dagegen schon in der kommenden Woche.
Was die drei Mitarbeiter der Berliner Firma Eastern Atlas bei ihrer Arbeit mit Bodenradar und Geomagnetik herausgefunden haben, berichtet die Ostfriesische Landschaft dem Landesamt für Denkmalpflege. Während die Landschaft eine beratende Funktion hat, kann das Landesamt der Stadt Emden vorschreiben, was im Friedhofsbereich bei der Straßensanierung geht – und was nicht.
Ob es durch die Untersuchungen zu Verzögerungen der Bauarbeiten kommen wird, ist noch nicht abzusehen. Bislang verläuft die Sanierung des Treckfahrtsweges Angaben der Stadt Emden zufolge nach Plan. Man gehe von einer Fertigstellung des ersten Bauabschnittes bis Ende Oktober aus, so Stadtpressesprecherin Theda Eilers gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Bei den Gehwegen gibt es zwar Verzögerungen durch die notwendig gewordene Verlegung von Versorgungsleitungen durch die Stadtwerke. Die Straße dagegen ist bis auf die Asphaltdecke fertig.
Die Messungen, die am Dienstag auf dem großen Parkplatz des Friedhofes Tholenswehr, auf einem Abschnitt des Treckfahrtsweges und auf der angrenzenden Grünfläche durchgeführt wurden, dienen dem Schutz eventuell noch vorhandener Grabstellen. Die Größe des wahrscheinlich nicht länger als bis 1650 genutzten jüdischen Friedhofs ist nicht bekannt. Die wenigen vorhandenen Unterlagen lassen keine Schlüsse zu. Weil Grabstätten im Judentum als für immer unantastbar gelten, kamen Grabungen in dem Bereich zwischen dem Friedhof Tholenswehr und dem Treckfahrtstief nicht in Frage. Außerdem erlauben die jetzt angewandten Verfahren deutlich schneller – bis zu zwei Meter tiefe – Einblicke in das Erdreich.
Bei der Sanierung der Straße, die 1938 eine neue Linienführung erhielt, muss ebenfalls mit Funden aus dem Bereich des ehemals außerhalb der Stadtgrenzen gelegenen Friedhofes gerechnet werden. Die Arbeiten werden deshalb vom Archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft begleitet.
