Emden - „Uns’re Städte brauchen mehr Farben am Bau, wir sprüh’n umsonst buntes Leben ins Grau“. Was die Band Rheingold bei ihrem Ritt auf der Neuen Deutschen Welle vor 40 Jahren klangvoll einforderte, haben in diesen Tagen zehn Jugendliche im Stadtteil Port Arthur/Transvaal umgesetzt. Nicht stadtteilweit, aber immerhin an zwei Stellen im Quartier. Der Bürgerverein hatte einen mehrtägigen Graffiti-Workshop veranstaltet. Davon profitiert haben nicht nur der Bürgerverein an der Cirksenstraße und der Stadtteiltreff auf dem Platz Unner de Boomen, sondern vor allem die Teilnehmer selbst.

In die Hand genommen hatten das Ganze Deike Felsmann (21) und Lorena Sirigu (16), unterstützt wurden sie von Gemeinwesenmitarbeiter Oliver van Grieken. Unter Anleitung von Künstler Maik Donsbach - er gehört zum Braunschweiger Verein The Bridge - entstanden zwei große, farbenfrohe Spray-Arbeiten: im Innenhof des Vereinsgebäudes, der Pumpstation, und auf einer Wand beim Stadtteiltreff. An der Pumpstation steht nun in großen Buchstaben, was alle wollen, aber nicht immer und überall leicht zu haben ist: PEACE - Frieden. Darunter unverkennbar Sportsymbole: ein Tennis-Emoji und ein Handballer. Auf dem großen Platz des Stadtteils lesen wir in überdimensionaler Schrift, wo wir uns befinden. Und unner de Boomen (unter den Bäumen) küssen sich - na klar - zwei Ottifanten. Schließlich ist das hier Otto-Waalkes-Land, der Entertainer ist hier aufgewachsen.

Zustande gekommen ist der Workshop über Kontakte zum Verein zur Förderung von Kunst, Kultur und Jugendhilfe in Braunschweig. Der bietet ebenfalls einen Graffiti-Workshop an. Und die damit verbundenen Ziele sind auch die des Transvaaler Bürgervereins: Offene Jugendarbeit in Sachen Kunst und Kultur fördern, öffentliche Räume zur kreativen Nutzung für Jugendliche und junge Erwachsene erschließen; Jugendliche sollen im öffentlichen Raum mitgestalten können, Vermittlung kreativer Fähigkeiten; außerdem soll ein Gegenpol geschaffen werden zur „Beschleunigung und Digitalisierung der Jugendphase“.

Das Projekt, zu dem der Workshop gehört, geht denn auch über das kreative Besprühen von Wänden hinaus. Wörtlich heißt es in einer Mitteilung des Vereins: „Es sind Ideen und Interessen der jüngeren Generation, die wir aufschnappen, thematisieren und mit Ihnen angehen müssen. Sie sollen am Leben im Stadtteil teilnehmen und vor allem dieses mitgestalten.“ Der Graffiti-Wunsch war aus dem Kreis der jungen Leute gekommen, und der Verein hat das aufgegriffen. Die Stadt fördert das Projekt finanziell.

Inzwischen haben sich beim Verein vier Bürger aus dem Stadtteil gemeldet und weitere Flächen zur Gestaltung angeboten. „Unter Straßenbrücken, überall ist Platz, an tristen Häuserwänden, für ‘nen klugen Satz“ (Rheingold).

Axel Milkert
Axel Milkert Emder Zeitung (Leitung)