Emden - Es gibt Verbindungen, die sind unerlässlich und manche sogar lebenswichtig. Die Große Seeschleuse ist quasi die Schlagader für den Emder Binnenhafen. Ist sie verstopft, dann kann – aber nur als Provisorium mit erheblicher Funktionseinschränkung – die Nesserlander Schleuse als Bypass genutzt werden.

Nun ist die Schlagader nicht mehr die jüngste, 1913 eröffnet, übernimmt sie immer noch diese wichtige Funktion für den Binnenhafen. Das wird an den rund 2500 Schleusungen pro Jahr deutlich. Auch dem Land Niedersachsen und der landeseigenen Hafengesellschaft Niedersachsen Ports (Nports) ist das bewusst. Deshalb gehört die Sanierung des 260 Meter lange und 40 Meter breiten Bauwerks aus Kaiser Wilhelms Zeiten auch zu den herausgestellten Großprojekten für den Hafen.

Sie sei ein Bestandteil der „maßgeblich zur Weiterentwicklung des Hafens beiträgt“, betont der Emder Nports-Niederlassungsleiter Volker Weiß. 2022 sollen die Sanierungsarbeiten der Großen Seeschleuse beginnen. Die besondere Herausforderung sei hierbei, dass die Instandhaltung im laufenden Betrieb erfolgen muss. Nur so wird es möglich, den Zugang zum Emder Binnenhafen weiterhin zu gewährleisten. Weiß: „Wir halten daher viel Fachpersonal vor, um die Große Seeschleuse zu unterhalten.“ Mindestens 70 Millionen Euro sind bisher für die Sanierung vorgesehen. Die Planung wurde Anfang 2020 nach einer europaweiten Ausschreibung an die Arbeitsgemeinschaft SISGW (Ingenieurbüros aus Emden, Bremen, Papenburg und Hannover) vergeben. Bis Ende 2021 wird die Planungsphase andauern. Ziel ist, den Betrieb der Schleuse für mindestens weitere 35 Jahre zu sichern.

Ein weiteres Großvorhaben für den Emder Hafen aus Sicht der Landesgesellschaft ist der neue Großschiffsliegeplatz. Hierfür sollen rund 55 Millionen Euro ausgegeben werden. Für die Vorbereitung des Baus wurden eine Kampfmittelsondierung und Baugrunderkundungen durchgeführt. Diese Ergebnisse sind in die Ausschreibung eingeflossen. Die Baumaßnahme umfasst den Bereich zwischen Emspier und Emskai. Eine Klage der Moormerländer Deichacht wurde nach einer außergerichtlichen Einigung (wir berichteten) zurückgezogen. Dadurch kann der Bau, der eigentlich schon 2019 fertig sein sollte - umgesetzt werden.

Eine weitere Vorbereitung dafür wurde im Herbst getroffen. Das Baggergut, das entnommen werden muss, um den Ems-Liegeplätzen und der Fahrrinne entsprechende Tiefe zu geben, wird über einen Einspülpunkt auf die Spülfelder am Wybelsumer Polder transportiert. Dieser wurde zum Dalbenliegeplatz verlegt. Er lag im Bereich des geplanten Terminals.

Ute Lipperheide
Ute Lipperheide Emder Zeitung