Emden - Das soziale Jugendprojekt „Auf zu neuen Horizonten“ läuft Ende September aus. Doch schon Udo Lindenberg wusste: „Hinterm Horizont geht’s weiter“. Unter diesem Motto will auch der Arbeitskreis für historischen Schiffbau in Ostfriesland sein Engagement für Jugendliche, die Unterstützung auf dem Weg ins Leben brauchen, weiter fortsetzen. Geschehen soll das mit drei neuen, ineinander verzahnten Programmen. Doch jetzt war es in der Vereinswerft auf der Teufelsinsel erst mal an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Aus Hannover war dazu extra auch Hans-Christian Biallas angereist, Präsident der Klosterkammer, welche die zweijährige Modellphase mit 115.000 Euro maßgeblich unterstützt hat.
Mächtig stolz waren der Vorsitzende Alfred Marahrens, Vorstandskollege Martin Saehrig, Bootsbau-Anleiterin Inka Petersen und das ganze Team, dass das Horizont-Projekt (finanziell flankiert von der Stadt mit 84.000 Euro, personell vom Jobcenter, schulisch vom Emder Jugendhilfeträger GnL) zwei Teilnehmer direkt in ein Lohnverhältnis gebracht hat. Zwei weitere wurden infolge ihrer Zeit in der Bootsbauer-Werkstatt zuerst in ein Praktikum, dann in eine Lehrstelle im Wahlberuf vermittelt. Ein Teilnehmer strebt nach dem Hauptschul-, jetzt den Realschulabschluss an. Und ein junger Mensch, der fünf Jahre lang nur zu Hause am Computer saß, konnte sozial wieder eingegliedert werden. Anders gesagt: Er ist wieder fähig zu Kontakten und Freundschaften mit echten Menschen.
Interessiert beobachtete Biallas auch das aktuelle Treiben an der Werkbank. Fünf Teilnehmer, darunter eine junge Frau, sind schon auf der neuen Projektschiene unterwegs, um neben handwerklichen Fähigkeiten Teamwork, Struktur und generationsübergreifendes Arbeiten zu erlernen und zu erfahren. Sie haben sich in der Werkstatt des städtischen Jugendbüros bewährt, gelangten so ins neue Praktikantenprogramm auf der Teufelsinsel und bauen hier unter Anleitung Petersens Möbel aus Palettenholz für das Beratungscafé „Planbar“ der Alten Post. Das zweite neue Programm heißt „Schüler bauen Boote“ – die Idee: Sechstklässler werden durch Bootsbau an Naturwissenschaften, Geschichte und Mathe herangeführt, um Schulabbruch vorzubeugen. Programm drei betrifft die Seetjalk. Die vor Jahren gebaute Replik eines historischen Handelsschiffes soll durch junge Menschen gepflegt und gewartet werden, die wiederum auf Segeltouren im Wattenmeer durch eine „Schule des Lebens“ gehen.
Die leise Hoffnung der Projektverantwortlichen, dass die Klosterkammer auch für diese Fortsetzung eine Förderung lockermachen könnte, musste Biallas aber klar enttäuschen. „Eine Kettenförderung sehen unsere Stiftungsvorgaben nicht vor.“ Ziel sei, vielversprechenden Projekten Anschub zu geben, damit sie – mit ersten Erfolgen im Rücken – dauerhaft neue Partner finden.
