Krummhörn/Emden - Wenn demnächst am Leyhörner Sieltief große Bohrmaschinen anrücken, dann könnte es sein, dass ihnen in naher Zukunft Bagger folgen, die dort Sand für künftige Deicherhöhungen abbauen wollen. Was der Baumaßnahme Brisanz verleiht: Das geplante Abbaugebiet liegt im Naturschutzgebiet der Leybucht. Das ist der Deichacht Krummhörn auch bewusst, bestätigt Geschäftsführer Frank Rosenberg.
Bei der Versammlung von Vorstand und Ausschuss der Deichacht in Emden hatte der Bau-Ingenieur Thomas Hoffmann vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft (NLWKN) das Projekt vorgestellt, für das bereits 80.000 Euro beantragt und bewilligt worden seien.
Wie ist der Untergrund?
Es geht zunächst darum, dass nord-westlich gegenüber dem Yachthafen mittels Bohrungen die Beschaffenheit des Untergrunds ermittelt werden soll. „Wir wollen testen, wie viel Abbau da drin steckt“, erklärte Hoffmann.
Der Anstoß dazu sei von erfahrenen Mitarbeitern des NLWKN gekommen, die schon den Bau der „Leynase“ und den Umbau des Greetsieler Hafens miterlebt haben. Sie könnten sich erinnern, dass sich unter den Aufspülungen ein sandiger, zumindest sandhaltiger Untergrund verbirgt. Das Ausmaß sollen geotechnische Untersuchungen ermitteln – verbunden mit der Hoffnung, dass für künftige Deicherhöhungen genügend Sand enthalten ist, um daraus den Deichkern unter der Klei-Abdeckung zu formen.
Für den Fall, dass auf der 36 Hektar großen Fläche entlang des Sieltiefs später tatsächlich Sand abgebaut wird, haben NLWKN und Deichacht allerdings eine Hürde vor sich: Sie liegt im Naturschutzgebiet Leybucht, das beim Bau der Leynase entstanden ist. „Für ein Bodenabbaugebiet brauchen wir gegebenenfalls eine gesonderte Genehmigung“, räumt Geschäftsführer Rosenberg ein. Man setze darauf, dass der Abbau einem Anliegen des Nationalparks entgegenkommt: Dadurch wird das Niveau des Bodens abgesenkt, und die bislang recht hochgelegene Fläche künftig häufiger von Wasser überspült, was eine zur Nordseeküste besser passende Flora und Fauna fördert.
Zunehmend ins Grübeln geraten die Deichbauer auch bei der Beschaffung des anderen Baustoffs für Deiche: dem Kleiboden. Oberdeichrichter Alwin Brinkmann plädierte dafür, vorsorglich Kleisuchgebiete einzurichten, um für Deicherhöhungen in der Zukunft gerüstet zu sein. Denn noch sei die Deichacht gut dran, sagte Oberdeichrichter Brinkmann. „Wir haben noch eigene Grundstücke mit Kleiboden. Aber die werden nicht ewig reichen.“
