Emden - Der Posten ist 130 Meter lang, hat eine Wasserverdrängung von 3680 Tonnen, bietet Platz für 219 Personen und ist ein echtes Stück Emder Geschichte: Die Rede ist natürlich von der Fregatte „Emden“, dem ehemaligen Patenschiff der Seehafenstadt. Die VEBEG GmbH, die Verwertungsgesellschaft des Bundes, will das Schwergewicht jetzt höchstbietend an den Mann bringen.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich das Schiff in den Vorgarten zu stellen, aber ein paar Nächte darüber schlafen möchte: Noch ist etwas Zeit, die Auktion endet erst in einem knappen Monat. Der Zuschlag wird am 18. Januar 2022 erteilt. Gelegenheit, sich noch einmal an Bord umzusehen, gibt es auch: Der Besichtigungstermin für potenzielle Käufer ist für den 13. Januar im Marinearsenal Wilhelmshaven angesetzt, wo die „Emden“ am Kai vertäut liegt. Fünf Stunden lang haben Interessierte Zeit, das 1980 bei den Nordseewerken vom Stapel gelaufene Schiff auf Herz und Nieren zu prüfen.

Eine Auktion für Jedermann ist dann doch wohl nicht drin: Im Kleingedruckten des VEBEG-Angebotsblatt ist ersichtlich, dass die „Emden“ „nur an leistungsfähige Abwrackunternehmen bzw. Schrotthandelsfirmen, mit der Auflage der Verschrottung“ abgegeben wird. Das bedeutet: Eine Zukunft als Museumsschiff wird die 2013 außer Dienst gestellte Fregatte auf keinen Fall haben. Auch eine zivile oder gar noch einmal militärische Nutzung, etwa durch einen anderen Staat, wird es nicht geben. Die „Emden“ landet definitiv im Hochofen, das steht fest.

Auf den Käufer des Schiffes wartet eine ganze Menge Arbeit: Die „Emden“ ist nicht mehr fahrtüchtig und Abschlepp-Hilfe der Bundeswehr ist auch nicht vorgesehen. Soll heißen: Der Verwerter muss sich etwas einfallen lassen, um das Schiff irgendwo in Europa abzuwracken. In aktiven Zeiten waren die Weltmeere das Zuhause der „Emden“, für die Demontage gilt das nicht. Die Fregatte fällt nämlich nach wie vor unter das Kriegswaffen-Kontrollgesetz, eine Ausfuhr nach Übersee ist also nicht möglich. Außerdem ist die „Emden“ laut Datenblatt noch nicht vollständig demilitarisiert. Die Bundeswehr wird deshalb – auch wenn ihr das Schiff dann schon nicht mehr gehört – den Rückbau aller militärischen Anlagen bewachen.

Emotional wird es dann wohl nicht mehr werden, war die offizielle Außerdienststellung doch bereits im November 2013. Damals standen der damalige Oberbürgermeister Bernd Bornemann und Bürgermeisterin Andrea Risius in Wilhelmshaven am Kai, um stellvertretend für alle Emder von der „Emden“ Abschied zu nehmen. Nun folgt das letzte „Farewell“ vor dem Hochofen.