Emden - 1150 Unterschriften, davon 844 aus Emden, sind bei einer Petition für den Erhalt der Grünfläche mit dem Namen „Janssens Tuun“ im Borssumer Hammerich gesammelt worden. Vor allem der ehemalige Emder und Ex-Oberbürgermeisterkandidat Ingo Weber aus Bad Zwischenahn hat viel Energie in dieses Unternehmen gesteckt. An sechs Samstagen und einem Dienstag sammelte er Stimmen für das Biotop.

„Ich kann das mit meinem Verstand nicht fassen, warum eine so schöne Grünfläche weichen muss“, sagte er dieser Zeitung. Die Wiesenvögel – ihr Lebensraum soll mit der Rodung des Wäldchens verbessert werden – würden doch genügend andere Flächen haben und hätten ja auch schon durch andere Programme bessere Lebensräume. Gutachten – auch die neuesten – sehen dies jedoch anders. Der „Tuun“ (Garten) ist Teil einer Ausgleichsmaßnahme für den Bau der Umgehungsstraße für den Stadtteil Friesland.

Weber will, dass der Rat der Stadt Emden sich noch einmal mit dem Thema beschäftigt. Unterstützung bekam er bisher von der Wählergemeinschaft Gemeinsam für Emden (GfE). Die anderen Fraktionen im Emder Rat hatten 2020 ebenfalls darauf gedrängt, ein neues Gutachten zu erstellen. Es gab zahlreiche Proteste, auch aus dem Rat. Oberbürgermeister Tim Kruithoff hatte das Thema erst einmal für ein halbes Jahr ausgesetzt. Doch aller Protest blieb erfolglos, da ein neues Gutachten die Position des Wiesenvogelschutzes unterstützte.

Das Biotop

Janssens Tuun ist ein kleines Wäldchen mit zwei Teichen im Borssumer Hammrich in Emden. Tuun ist die ostfriesische Bezeichnung für Garten. Dieser Garten wurde vor rund 70 Jahren von Heinrich „Heini“ Janssen, einem Emder Kolonialwarenhändler, angelegt. Seitdem wird die kleine, mit landschaftsuntypischen Bäumen bepflanzte Fläche im Volksmund Janssens Tuun genannt. 

Die Fläche ist mittlerweile Eigentum der Bundesrepublik. Sie ist rechtlich gesehen seit 2012 ein Teil der Ausgleichsfläche für die Umgehung Friesland. Um weiteren Lebensraum für Wiesenvögel zu schaffen, sollen die Bäume und Sträucher aus Janssens Tuun entfernt werden.

Nach zahlreichen Protesten aus der Bevölkerung entschied der Rat 2020, weitere Gutachten in Auftrag zu geben, da die bestehenden Gutachten mehrere Jahre alt waren. Doch die neuen Gutachten weisen darauf hin, dass das Gehölz entfernt werden müsse.

„Die Politik muss trotzdem jetzt handeln“, sagte Weber. Doch ganz so einfach ist das nicht, da es sich um eine Sache der Verwaltung handelt. Zuständig ist auch die Auricher Straßenbaubehörde und nicht der Emder Rat. Doch diese Zuständigkeiten halten Weber nicht davon ab, seinen Protest weiter zu führen: „Es ist auch egal, wer da jetzt zuständig ist, es ist einfach irrsinnig, so ein schönes Stück Landschaft abzuholzen.“ Er werde nun eine E-Mail an die Landesbehörde schreiben, um einen Termin zu bekommen, an dem er seine Unterschriftenlisten überreichen kann. Weber: „Ich gebe eben noch nicht auf. Die Entscheidungsträger sollen das noch einmal bedenken.“

Ute Lipperheide
Ute Lipperheide Emder Zeitung