Emden - Das geplante Baugebiet auf der Wybelsumer Dreickecksfläche steht möglicherweise auf der Kippe. Grund: Der 1. Entwässerungsverband Emden hat starke Bedenken angemeldet und stuft dieses Gebiet als besonders risikoreich ein. Auf Nachfrage dieser Zeitung warnten Obersielrichter Reinhard Behrends und Verbandsingenieur Jan van Dyk davor, auf dem etwa vier Hektar großen Gelände zu bauen.
„Alle Zukunftsbetrachtungen hinsichtlich Meeresspiegelanstieg und Starkregenereignisse besagen: Man geht nicht in solche sensiblen Bereiche hinein“, sagte van Dyk. Sie Situation sei dort ohnehin nicht einfach, betonte Behrends. „Man sollte also das Risiko nicht noch durch eine Neubebauung verschärfen.“ In Unterschöpfwerksgebieten bestehe immer ein Risiko, zum Beispiel durch den möglichen Ausfall einer Pumpe, sagte van Dyk.
Das als Baufläche geplante Gelände gehört zu einem 15 Hektar großen Areal des Verbandsgebiets. Die Entwässerung erfolgt über zwei Unterschöpfwerke, zunächst über das Schöpfwerk Odinga, anschließend über das nördlich der Rysumer Landstraße gelegene Schöpfwerk Wybelsum. Das gebe es nirgends sonst in Emden, betonten Behrends und van Dyk. Beide sehen die Gefahr darin, dass das Regenwasser bei Extremwettereignissen nicht schnell genug abgeführt werden kann, sollte es hier zu einer weiteren Bodenversiegelung kommen. Behrends hat dabei insbesondere das Siedlungsgebiet östlich des Friedhofs im Blick: „Das Risiko wächst, dass dann das alte Dorf absäuft.“ Und das alte Dorf grenzt an die Schöfelwiese, die im Zuge der Bebauung um bis zu 1,20 Meter aufgeschüttet werden soll - nach Informationen dieser Zeitung mit Aushub vom ehemaligen Frisia-Gelände.
Gespräche mit der Stadtverwaltung habe es gegeben. Diese habe die Bedenken des Verbands „zur Kenntnis“ genommen und erklärt, das Verfahren werde die Machbarkeit zeigen, sagte Behrends. Gegenüber dieser Zeitung wollte die Verwaltung auf Nachfrage keine Stellung nehmen. Sie verwies schriftlich auf den Investor, der dafür zuständig sei.
Dirk Meemken aus Cloppenburg, der in das Baugebiet gemeinsam mit seinem Bruder investieren will, hatte seine Pläne erstmals im Februar 2020 mit Projektentwickler Rainer Geiken und Oberbürgermeister Tim Kruithoff öffentlich gemacht (wir berichteten). Im Herbst 2020 beschloss der Emder Rat die Aufstellung des Bebauungsplans. Gegenüber dieser Zeitung erklärte Meemken jetzt, er habe den Eindruck, dass Baugebiet sei „einfach nicht gewollt“. Auch die Stadt ist laut Meemken inzwischen „umgeschwenkt“. Verschiedene Gutachten und Untersuchungen seien durchgeführt worden oder in Arbeit. Er habe viel Geld in das Projekt gesteckt.
