Emden - Der Umbau des Neuen Theaters zum Festspielhaus am Wall wird nicht so schnell über die Bühne gehen wie erhofft. Wie Chefin von Kulturevents Emden, Kerstin Rogge-Mönchmeyer auf Anfrage mitteilte, wird aktuell mit einer Fertigstellung im Herbst 2022 gerechnet. Anfang des Jahres war noch von Juni ausgegangen worden. Zwar ist die millionenschwere Förderung vom Land dadurch nicht in Gefahr, denn laut Stadt wurde die Förderperiode von der NBank „wegen Corona“ bis zum 30. September 2022 verlängert. Allerdings ist es damit nun unwahrscheinlicher denn je, dass die neue schicke Veranstaltungsstätte schon für das Emder Filmfest 2022 zur Verfügung steht. Dieses ist für 8. bis 15. Juni terminiert.
Das Neue Theater wurde 1970 zunächst als Schulaula für das Johannes-Althusius-Gymnasium erbaut. Es bietet Platz für 600 bis 680 Zuschauer.
Umgebaut wird es zum überregionalen Kulturzentrum. Beziffert ist das Vorhaben mit 3,7 Millionen Euro. 2,3 Millionen Euro Förderung genehmigte das niedersächsische Wirtschaftsministerium. Vom Kulturministerium flossen 360 250 Euro. Die Stadt, so der Plan, steuert 500 000 Euro bei.
Mit einem Abrisskonzert am 26. Juni fiel der Startschuss für den Umbau. Dabei wurden auch erste Stücke des Designer-Teppichs aus dem Foyer zugunsten der Musischen Akademie und der Malschule verkauft.
Der Teppich-Verkauf kam so gut an, dass bisher etwas über 1000 Euro eingenommen wurden. Einige Stückchen (zu je zehn Euro) sind noch bei kulturevents (Alter Markt 2a) erhältlich. Eine Auktion mit den Lampen soll folgen.
Dass sich nach hinten heraus einiges verzögert, hat seinen Grund – wieder einmal – in der angespannten Lage auf dem Bausektor. So mussten jetzt die baulichen Hauptleistungen noch einmal in neuer Form ausgeschrieben werden. Denn für das ursprünglich ausgeschriebene große Gesamtpaket hatte sich nur ein Bewerber als Generalunternehmer gemeldet. Es muss aber Angebote zum Vergleichen geben. Daher wurde die Ausschreibung aufgehoben und das große Paket auf kleinere Päckchen (Lose) verteilt und diese gesondert ausgeschrieben – wie jetzt zuletzt bei den Bauhauptarbeiten, den Dach- und Dachabdichtungsarbeiten und dem Bereich Wandbekleidung/Holzschalung. „Dadurch können sich auch kleinere Firmen an der Ausschreibung beteiligen“, erläuterte Rogge-Mönchmeyer. Am 23. Oktober werden die Angebote geöffnet. Dann ist die Reihe an die Architekten und Fachplaner, alles genau zu vergleichen und zu prüfen.
Dabei liegen die bisherigen Umbauarbeiten laut Stadt durchaus im Zeitplan. Das Foyer ist abgerissen, die Stuhlreihen im Saal sind abgebaut und die gesamte Deckenkonstruktion darüber wurde entfernt. Derzeit wird die Belüftungs- und Klimaanlage inklusive der Verrohrungen ausgebaut und entsorgt.
Ab dem 25. November steht die Tiefgründung für das neue gläserne Foyer an. Danach sollen die Rohbauarbeiten anschließen und daran die Erstellung des Dachtragwerkes sowie der Dachabdichtungsanlagen. Die Fenster, Türen und die Alu-Fassade sollen im ersten Quartal des neuen Jahres eingebaut werden. Das klingt zwar nach zack-zack. Doch keiner weiß, was der Winter bringt. Ob der Bau also vielleicht doch deutlich schneller fertig werden könnte, ist daher mehr als fraglich.
Immerhin hat das diesjährige Filmfest gezeigt, dass zumindest für die Preisgala die Johannes a Lasco Bibliothek technisch und atmosphärisch ein guter Ersatz ist. In der Anzahl der Sitzplätze (310) kann sich diese allerdings nicht mit dem Neuen Theater (über 600) messen. Mit diesem würde außerdem ein weiteres Mal der größte Kinosaal des Festivals fehlen. Ein doppelter Schlag ins Einnahmen-Kontor.
