Emden - Was wird aus der Penthouse-Wohnung im Hochhaus auf Schreyers Hoek? Diese Frage haben sich nach dem Tod des Emder Glockenspielstifters Bernhard Brahms 2019 viele Emder gestellt. Sie wird nicht verkauft, sondern vermietet. Das teilte der Vorsitzende der Stiftung für das Emder Hospiz, Harald Hemken, mit.
„Wir haben die Wohnung komplett saniert und zwei Zimmer zusammengelegt. Jetzt suchen wir einen Mieter, der im Geist von Bernhard Brahms in dieser Wohnung lebt“, sagte Hemken auf Anfrage. Ein Verkauf kam für die Hospizstiftung nicht infrage. „Wir sehen mehr Sinn für unsere Stiftung darin, die Wohnung zu behalten“, erläuterte Hemken. Von der Penthouse-Wohnung hat man einen der schönsten Ausblicke auf Emden und das Umland. Bei gutem Wetter sind sogar die Schiffbauhallen der Papenburger Meyer-Werft zu sehen.
Bernhard Brahms wollte, als in den 1960er Jahren oben auf das Hochhaus eine Penthouse-Wohnung für Manager der damaligen Erdölraffinerie Frisia gebaut wurde, dort einziehen. Als die Raffinerie keinen Bedarf mehr für die Wohnung hatte, wurde sie geteilt. Die kleinere Wohnung kaufte dann Brahms, nebenan wohnt Friederike Junkhoff. Brahms’ Wohnung wurde schnell - da er passionierter Sammler ostfriesischer und niederländischer Antiquitäten und Kunstwerke war - zu einem Ort, in dem Geschichte innerhalb der vier Wände zu sehen war und der Blick nach draußen die wieder aufgebaute Stadt zeigt.
Bernhard Brahms ist am 9. Juni 1929 in Emden geboren und starb am 28. Juli 2019.
Als am 6. September 1944 alliierte Bomber große Teile der Stadt zerstörten, gab er sich das Versprechen, Emden ein Glockenspiel zu stiften, sollte er den Krieg überleben. Dieses löste der ehemalige Nordseewerke-Angestellte im Jahr 2000 ein.
2002 erhielt Brahms die Ehrenmünze der Stadt Emden. Durch die Stiftung eines Gedenksteins (2010) erinnerte er an das Schicksal von fünf jungen ukrainischen Zwangsarbeitern, die 1944 durch Nazis erhängt wurden. Der Delftspucker „Hinni“, war 2017 ein weiteres Geschenk an seine Stadt.
Der Balkon, der sich um die Hälfte des Hauses zieht, wurde von Brahms immer mit zahlreichen Blumen bepflanzt. Auch ein Fahnenmast durfte nicht fehlen. Ganz nach aktuellen Ereignissen wählte er die Beflaggung aus, die Emder Fahne oder die niederländische Flagge, wenn sein niederländischer Freund mit seinem Boot im Delft lag, oder die Flagge der Emder Reederei Lauterjung, wenn in der Firma oder in der Familie, mit der er befreundet war, ein besonderes Ereignis anstand.
Neuer Mieter soll Sinn für die Stadt entwickeln
Harald Hemken: „Unser Wunsch ist es, dass auch der neue Mieter einen entsprechenden Sinn für Emden entwickelt.“ Dies natürlich auf eine andere Art. Die Vermutung vieler, dort vielleicht eine Ferienwohnung einzurichten, stand für die Hospizstiftung nie im Raum.
Brahms hat den Großteil seines Vermögens in drei Teile aufgeteilt. Nutznießer sind: die Hospizstiftung, die die Wohnung übernommen hat, die Diakonie der Fremdlingen Armen und der Bauverein der Neuen Kirche. Wichtige Sammlungsgegenstände hatte Brahms dem Ostfriesischen Landesmuseum und der Johannes a Lasco Bibliothek vermacht.
