Emden - Dem Dreimaster „Heureka“, der in den vergangenen rund acht Jahren zu einem weiteren Wahrzeichen im Emder Delft geworden ist, soll noch einmal ein neues Leben eingehaucht werden. Die 50 Meter lange und 6,90 Meter breite Barkentine ist nach Informationen dieser Zeitung an den in Tschechien lebenden russischen Geschäftsmann Sergey Maizus verkauft worden, dem Vernehmen nach für knapp eine halbe Million Euro. Maizus’ Firma, die Eva Sails Shipping Limited mit Sitz auf den Marshall-Inseln, ist in diesen Tagen bereits offiziell als Auftraggeber für den Werft-Aufenthalt bei der Emder Werft und Dock GmbH (EWD) aufgetreten.
Die Emder Reparatur-Werft soll das marode Schiff begutachten und wohl auch seetauglich machen soll, bevor es angeblich in eine Werft im polnischen Danzig verholt wird. Das ist allerdings noch nicht bestätigt. Der bisherige Eigner Alexander Göhring ist außen vor.
Keine wirklich gute Zeit in Emden gehabt
Die „Heureka“ ist eine sogenannte Barkentine, eine Mischung aus Bark und Dreimastschoner.
Gebaut worden ist das Schiff 1967 in den Niederlanden, auf der Werft S. Sejmonsbergen in Rotterdam.
Das Schiff ist 50 Meter lang, 6,90 Meter breit und hat einen Tiefgang von 3,40 Metern. Der höchste Mast ist 28 Meter hoch, die Segelfläche wird mit 630 Quadratmetern angegeben.
Die Maschine ist ein 400 PS-starker MAN-Motor.
Auf dem Dreimaster sind 30 Kabinen ausgewiesen, das Schiff ist offiziell für 100 Passagiere ausgelegt.
Die Heureka hatte in Emden bislang keine wirklich gute Zeit. Zwar ist der Segler neben den Museumsschiffen zu einem beliebten Fotomotiv für Touristen geworden, doch die eigentlichen Pläne des bisherigen Eigners blieben unerfüllt. Göhring wollte den Unterhalt des Schiffes unter anderem mit einer Gastronomie und mit Übernachtungen an Bord finanzieren. Dann aber untersagten die Behörden diese Pläne mit Hinweis auf einen nicht ausreichenden Brandschutz. Zudem scheiterte im Sommer 2012 eine Überführung des Dreimasters nach Wilhelmshaven spektakulär: Die Heureka wurde von der Wasserschutzpolizei in der Großen Seeschleuse gestoppt und an ihren Liegeplatz zurückbeordert.
Ein Kleinkrieg zwischen Eigner und Behörden
Der Grund: Dem Schiff fehlten die nötigen Papiere für die Ausfahrt. Danach entwickelte sich zwischenzeitlich ein regelrechter Kleinkrieg zwischen dem Eigner und den Behörden. Seitdem zahlte Alexander Göhring bei der AG Ems, die den Delft bewirtschaftet, zwar seine Liegegebühren, bemühte sich aber zugleich, jegliche weitere Diskussion um sein Schiff zu vermeiden, so als wollte er keine schlafenden Hunde wecken. Göhring werkelte weiterhin viele Tage allein an Bord, fast so wie einst sein alter Bekannter Karl Großmann, der sich im Jarßumer Hafen jahrelang mit der Sanierung des völlig verrotteten Motorschiffes „Tabu“ abmühte – am Ende vergeblich.
Ganz so schlimm scheint der Zustand dann aber doch nicht zu sein: „Das Schiff ist in einem besseren Zustand als erwartet“, sagte am Dienstag der nautisch-technische Gutachter Martin Claus gegenüber dieser Zeitung. Der Bremerhavener Experte hatte die Heureka vor ihrer „Reise“ aus dem Delft zur Werft untersucht.
Sein Fazit: Für die Fahrt im Hafen hat es gereicht. „Die Grundsanierung wird eine Menge Geld kosten“, sagte Claus. Wie viel, dass soll nun offenbar die EWD herausfinden. Ziel des neuen Eigners ist, die Heureka „fit zu machen für einen weltweiten Einsatz“.
