Emden - Laut Statistik versucht jeden Tag ein Mensch in Deutschland seine Frau umzubringen. Jeden dritten Tag endet der Versuch tödlich. Die Hochschule Emden/Leer hat am Donnerstag, dem internationalen „Orange Day“, mit einer Aktion auf die Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht. Studierende der Hochschule haben das Mensa-Gebäude in orangem Licht erleuchtet.

Damit nahmen sie an der Aktion „Orange the World“ der „United Nations Women“ teil, bei der alljährlich ab dem 25. November, den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, Gebäude auf der ganzen Welt in Orange beleuchtet werden (wir berichteten).

Doch das sollte nicht alles sein. Die Studierenden aus den Fachbereichen Medientechnik und Soziale Arbeit erarbeiteten in einem Seminar unter der Leitung von Dr. Mechthild Exo Videos in denen sie über sogenannte Femizide, Ermordungen von Frauen, und über die enorme Dunkelziffer der Gewalttaten gegenüber Frauen aufklärten.

Ihr Ziel dabei war es, mit Menschen in Emden ins Gespräch zu kommen. Sie wollten das Bewusstsein für grausame Gewalttaten, die zumeist im Verborgenen bleiben, schärfen.

Eigentlich wollten sie mit ihrer Aktion in den Mittelpunkt Emdens, auf den Neuen Markt, rücken. Doch aufgrund der verschärften Corona-Lage entschied sich das Seminar kurzfristig, innerhalb des Campus zu bleiben. Durch die 3-G-Regelung an der Hochschule sei das Infektionsrisiko überschaubarer als an einem öffentlichen Ort, erklärte die Studentin Chiara Deepen.

Deepen erarbeitete zusammen mit anderen Studentinnen der Sozialen Arbeit Informationstafeln für die Aktion. Auf diesen Tafeln stellten sie Einzelschicksale von Frauen vor, die von ihrem Mann umgebracht worden sind. Diese Arbeit hat die Studentin sehr ergriffen. Denn ihrer Meinung nach wird in der Öffentlichkeit zu wenig über diese Straftaten aufgeklärt. „Wir wollten so den Opfern ein Gesicht geben“, sagte die 21-Jährige.

Dass die Aktion nicht, wie geplant, auf dem Neuen Markt stattfinden konnte, habe die Studierenden teilweise enttäuscht. „Wir hatten gehofft, dass ganz viele Menschen, die auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt sind, auf uns aufmerksam werden“, sagte der Student Jan-Ole Hettich.

Aber auch, wenn der Neue Markt nicht Mittelpunkt des Geschehens war, blieb der „Orange Day“ nicht ungesehen. Denn auch die Stadt Emden zeigte Solidarität. So erstrahlten die Neue Kirche, das Hafentor und der Chinesen-Tempel in orangem Licht.

Christin Hufer
Christin Hufer Redaktion Wildeshausen