Emden - Abbiegen trotz roter Ampel – das beinahe noch druckfrische Verkehrszeichen „Grünpfeil für Radfahrer“ gibt Radlern diese Freiheit. Auch in Emden findet sich das Zeichen mittlerweile an mehreren Kreuzungen und Einmündungen entlang der Auricher Straße, Neutorstraße und Petkumer Straße. Oft klappt es mit dem Abbiegen bei Rot auch – aber bei weitem nicht immer.
Welche Probleme gibt es rund um den Grünpfeil ?
Wer die Grünpfeilregelung nutzen will, muss vor allem eines: Vor dem Abbiegen anhalten. Das in erster Linie, um Fußgänger und Radfahrer auf der querenden Straße passieren zu lassen, deren Ampeln Grün zeigen. Sie haben nämlich Vorrang; so will es der Gesetzgeber, und es ist auch logisch. Weil längst nicht jeder Zweiradpilot diese Vorschrift beherzigt, kommt es zu Zwischenfällen. Meist bleibt es bei Beinahezusammenstößen inklusive Austausch unfreundlicher Bemerkungen. Unfälle mit Verletzten haben sich auch schon ereignet – in Emden allerdings noch nicht. Aber auch um der eigenen Sicherheit willen sollte der Radfahrer kurz stoppen und sich ein Bild von der Verkehrssituation machen.
Viele Autofahrer und Fußgänger sind ebenfalls nicht sattelfest, wenn es um die rechtliche Seite geht. Oft werden Radfahrer, die dem Pfeil folgen, angepöbelt – weil Autofahrer davon ausgehen, dass der Radler gerade etwas Verbotenes tut.
Der Grünpfeil hilft Radfahrern gar nicht, wenn sie die Kreuzung oder Einmündung wegen starken Pkw-Verkehrs gar nicht erst erreichen. Das kommt auch in Emden vor.
Wo fällt die Nutzung des Pfeils in Emden schwer ?
Zum Beispiel an der Einmündung der Eggenastraße in die Auricher Straße und an der Kreuzung Große Straße/Ringstraße (Fahrtrichtung Bahnhof).
Zwar verfügt die Eggenastraße über einen sogenannten Schutzstreifen für Radfahrer, der kurz vor der Ampelanlage endet. Weil die Einbahnstraße vergleichsweise schmal ist und Kraftfahrzeugen das Abbiegen nach links und rechts erlaubt ist, stehen diese im Einmündungsbereich nebeneinander – bei hohem Verkehrsaufkommen bis weit in die Eggenastraße hinein. Dabei wird der Schutzstreifen blockiert. Auch das Ausweichen auf den Bürgersteig funktioniert dann nicht, obwohl am Ende des Schutzstreifens der Randstein abgesenkt ist. Das Grünpfeilschild bleibt für Radler in dieser Situation – die gar nicht so selten ist – nutzlos: Weiter geht es erst, wenn die Ampel Grün zeigt.
An der Einmündung der Eggenastraße in die Auricher Straße: Der Grünpfeil. Im Verkehrszeichenkatalog ist er die Nummer 721.
Wieder Eggenastraße: Die Schlange der wartenden Autos ist nun noch länger. Die Blockade des Schutzstreifens für Radfahrer ist nicht erlaubt, ergibt sich an dieser Stelle aber zwangsläufig: Autofahrer dürfen links und rechts abbiegen, stehen deshalb vor der Ampel oft nebeneinander.
An einem anderen Tag fotografiert – wieder kein Durchkommen an der Eggenastraße. Auch die Auffahrt auf den Bürgersteig ist blockiert. Sie zu nutzen, ist allerdings verboten.
Ähnlich ist die Situation an der Kreuzung Große Straße/Ringstraße. Hier gibt es nicht mal einen Schutzstreifen. Zwar bietet die gepflasterte Rangierfläche vor den seitlichen Parkplätzen zunächst Raum zum Ausweichen. Auf Höhe des ersten Autos der Schlange ist aber für gewöhnlich Schluss: Der Bürgersteig ist an der Ampel bis an die Fahrbahn herangeführt, zwischen Autoblech und Bordstein bleiben oft nur ein paar Zentimeter. Auch hier gilt: Der Grünpfeil funktioniert nur, wenn auf der Straße wenig los ist.
Was sagt die Emder Stadtverwaltung dazu ?
Die Beurteilung der Stadt Emden liest sich, als seien solche Schwierigkeiten dort bisher kein Thema: „Die Erfahrungen sind aus Sicht des Fachdienstes Straßenverkehr durchweg positiv. Nach unseren Beobachtungen werden die Grünpfeile gut angenommen. Probleme sind uns bislang nicht bekannt.“
Wie sieht es der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ?
Der ADFC äußert sich in einer Reaktion auf die Schilderung der Schwierigkeiten zurückhaltend. Stephanie Krone, Pressesprecherin der Bundesgeschäftsstelle des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs: „Grünpfeile für Radfahrer gibt es ja noch relativ selten – und über die beschriebenen Probleme ist uns bisher nichts bekannt.“
